Druckschrift 
5 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : drittes Heftlein
Entstehung
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

Wiege und Baumschule seiner schönen dreitägigen Zukunftstand: so hielt ihn noch eine zugeknöpfte Distel auf, umderen versiegelte Honiggesäße ein weißer Schmetterling seinedritte Parallele zog und die musivischen Disteln auf LeBauts Diele traten vor ihm ins Leben und zeigten ihm dieStacheln der Vergangenheit; da fand er es setzt unbegreif-lich, wie er seine Schmerzen ertragen können, und leichter,den Freudenhimmel zu tragen. ....

Er zog Linds Uhr heraus, um die Gcburtstunde seinerHonig- und Flitterzeit zu wissen gerade um 11 Uhr trater vor das nette Dorf, vor das Treibhaus seines Himmels,vor die Pflanzstadt seiner Hoffnung, vor Eden. ... Ach dassäuselnde in Lauben verwachsene Dörfchen schien alle seineblühenden Zweige als Arme um ihn zu legen und ihn ansich zu stricken; es war grün und weiß und roth nichtangcstrichcn, sondern überlaubt und überblüht. Und als erunter dem Auöläuten um sich die Umarmung seines Ema-nuels geizig aufzusparen, und um den Maicnthalischen Kir-chengesang mit einem von der Natur geöffneten Herzen zubeschleichen in das lange saubere Dörfchen stahl und denFreundschaftzoll auf eine Minute bei Emanucls Hause um-fuhr: so war ihm, als wenn sein stillfrohes Herz sich in denstillen Gassen mit den Vögeln auf den die Fensterscheibenvergitternden Kirschenzweigen wiegte und mit den Bienen inden Kirschenblüten schwankte.Komm nur herein (schienalles zu sagen), du guter Mensch, wir sind alle glücklich unddu sollst cs auch werden." Er trat an die blanke Kirche,deren blendende Uebertünchung dem Himmelblau durch denAbstich ein erhabenes Dunkel zuwarf, und sein pochendesHerz zitterte glücklich mit der wogenden Orgel darin und