Druckschrift 
5 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : drittes Heftlein
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

redner, daher ihn auch ein recht guter Prediger zu Gevat-ter bat, und das Pathchen steht mit da und weint seinesOrts über Leibschmcrzcn. . . . Nur große Hosprcdiger,die in der Hauptkirchc die fürstliche Leichcnpredigt halten,können sich dessen rühmen, was ich zu meinem größten Ver-gnügen jetzo höre, daß das Lcichengefolgc lacht, und das istmir ein Pfand, daß ich tröste. . . .

Und doch hat einer, der auf dem Todtenbctte liegt,mehr Trost als einer, der nur neben dem Bettfuß steht. DasSouterrain der Erdrinde bewohnen lauter stille ruhendeMenschen, die vor einander zusammcnrücken; aber auf demSouterrain stehen ihre unruhigen Freunde und wollen hin-untcr in die geliebten Arme aus Staub; denn die Leinwandauf dem Todtcn-Augc ist ja ein Fallhut der erkaltetenStirn, der Sarg ist der Fallschirm des Unglücklichen, unddas Leichentuch der letzte Verband der weitesten Wundenach warum fällt der müde Mensch lieber in den kurzen, alsin den langen ungestörten sichern Schlaf? So nimmdenn, guter Sebastian, den Todtcnschcin als ein ewigesFricdensinstrumcnt aus der Hand der sanften Natur . . .

Aber beim Henker! wo haben wir denn den Todtcn?was soll die weiße Mütze da unten? Ich sehe die Leicheim Spiegel gegenüber sie muß wo stehen ich mußsie holen."-

Mit einem Schauer seines Ich sprang er herabein erhabner Wahnsinn ging in den Stufen der Wehmuth,des Lächelns, des Erstarrens sein Angesicht auf und ab. Erlief hinter eine spanische Wand, die vor seine Statue ausWachs gestcllet war und trug den wächsernen Menschenheraus und warf ihn hin wie einen Leichnam und