Druckschrift 
5 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : drittes Heftlein
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

47

thancn wie vom sinesischcn König die Witterung des Staatserbäten, hälfen sich wie jener Rektor, der den Kalender sel-ber verfaßte und seinen Schülern (hier den Günstlingen derFürsten) züließ, das Wetter dazu zu machen. Auch sagt' er,die Dichter könnten wol für die Freiheit singen, aber nichtsprechen, sondern sic machten in furchtsamer Verfassungunter der Larve der Tragödienhelden die Stimme der Hel-den nach, so wie er einen ähnlichen Spaß oft an einem gc-bratnen Kalbskopfe gesehen, der der ganzen labla zu brüllengeschienen wie ein lebendes Kalb, indcß nichts als ein leben-der Laubfrosch darin gesteckt wäre, der sich blos mit seinemQuaken daraus hören lassen.Aber Eine noch größere Feig-heit wär'S, sagte Viktor, nicht einmal zu singen; alleinich weiß, die Menschen sind jetzo weder barbarisch nochgebildet genug, um die Dichter zu genießen und zu befol-gen; die Dichter, die Religion, die Leidenschaftenund die Weiber sind vier Dinge, die drei Zeiten erleben,wovon wir erst in der Mittlern sind, sic zu verachten,die vergangne war, sie zu vergöttern, die künftige ist,sic zu verehren." Die erzürnten Drillinge glaubten be-sonders, die Religion und die Weiber wären blos für den Staat.Viktors republikanische Gesinnungen waren ihnen ohnehinschon wegen seiner aristokratischen Verhältnisse zweideutig.Da er nun gar dazu setzte: die Staatenfrciheit habe mit denkleinern Abgaben, mit größerer Sicherheit des Eigenthums,mit besserem Wohlleben, kurz mit der Steigerung des sinn-lichen Glücks gar nichts zu schaffen, alles dicß wohne oftnoch reichlicher in Monarchien, und das, wofür man Eigen-thum und Leben opfere, müsse doch etwas Höheres sepn, alsEigenthum und Leben da er ferner sagte: ein jeder Mensch