349
„ben!" — Und jeder gab sein wundes Herz dem andern hin— aber der Tod wich vor ihrem Glanze zurück, und derEisberg, womit er den Menschen erdrückt, zerfloß aus ihrenwarmen Herzen; die Erde behielt zwei Menschen, die übersie als Berge aufsteigen, und ihr Ströme und Arzneienund hohe Aussichten geben, und denen die niedrige Erdenichts zuschickt, als — Wolken.
Maria winkte träumend ihrem Sohne, weil nur ersolche Herzen fassen, tragen und beschirmen könne.
— Aber warum lächelst du auf einmal so selig, wieeine freudige Mutter, Maria? — Etwan, weil deine liebeErde, immer höher aufgezogen, mit ihren Frühlingblumenüber das Ufer der zweiten Welt herein wanket? — weil lie-gende Nachtigallen sich mit heißbrütendcn Herzen auf kühleAuen drücken? — weil die Sturmwolken zu Regenbogenausblühen? — weil deine unvergeßliche Erde so glücklichist, im Putze des Frühlings, im Glanze seiner Blumen, imFreudengeschrei seiner Sänger? — Nein, darum allein nicht;du lächelst so selig, weil du eine Mutter siehst und ihr Kind.Ist es nicht eine Mutter, die jetzo sich bückt und die Armeweit aufschließet und mit entzückter Stimme ruft: „mein„Kind, komm wieder an mein Herz?" — Ist es nicht ihrKind, das unschuldig im brausenden Tempel des Frühlingsneben seinem lehrenden Genius steht, und das der lächeln-den Gestalt zuläust, und das so früh beglückt und an daswarme Herz voll Mutterliebe gezogen, ihre Laute nicht ver-steht: „Du gutes Kind, wie freust du mich! Bist du denn„glücklich? liebst du mich denn? O sieh mich an, du Theu-„rer, und lächle immerfort!" . . .
Iran Paul's ausgew. Werke. VIII.
23