Druckschrift 
8 (1848) Siebenkäs : erstes und zweites Bändchen
Entstehung
Seite
303
Einzelbild herunterladen
 

303

dem Kreuzwege zwischen Liebe und Groll einen langen Sprungin seine Tasche und holte einen welschen Strauß heraus.So nehmen Sie nur, Sie häßliche unerbittliche, nur dieseVergißmeinnicht zum Angedenken mehr begehr' ich beimHenker ja nicht." Er hätte den Augenblick mehr begehrt,wenn sie ihn nahm; aber sie drückte wegsehend den seidnenStrauß mit zwei Händen zurück. Jetzt wurde die Honig-wabe der Liebe in seiner Seele zu ächten: Honigessig ge-säuert; er wurde verflucht toll und warf die Blumen weitauf die Tafel hinüber und sagte:es sind Ihre versetztenBlumen selber ich hatte sie ausgelöset bei der Taratri-zin Sie müssen sie wol behalten." Nun wich er vondannen, verbeugte sich aber und die wunde Lenette that'sauch.

Sie nahm den giftigen Strauß und besichtigte ihn amhelleren Fenster ach ja wol waren es die Rosen und dieRosenknospen, an deren Eisendornen gleichsam das Blut vonzwei zerstochnen Herzen hing. Jndeß sie so weinend underliegend und mehr betäubt als aufmerksam durchs Fenstersah, nahm sie es Wunder, daß ihr Seelenpeiniger, der lautdie Treppe hinabgeflogen war, doch nicht herauskam aus derHauöthüre. Nach langem aufmerksamen Lauern, worin dieAngst wie ein Trost den Kummer überschrie und die Zu-kunft die Vergangenheit, galoppirte pfeifend und mit derHutspitze gen Himmel zielend, der gekrönte Haarkräusler da-her und schrie einlaufend nur vorläufig hinauf:Frau Kö-nigin!" Denn er mußte vor allen Dingen in seine eigneStube einbrechen, und vier Leute aus einmal zu Königen

auSrufen und zu Königinnen.-

Es ist nun Pflicht, den Leser in den Winkel mitzuneh-