Druckschrift 
8 (1848) Siebenkäs : erstes und zweites Bändchen
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

209

für ihren vornehmen Mann Pliniuö sinlloi-, mit den Kauf-Leuten zu reden, sogar ein Leuchter ward und den Lampen-docht gehalten. So aber ist die Sache nichts, weil ich nichtwie ein glücklicher Armkrüppel mit dem Fuße unter demTische schreiben kann, oder wie ein Hellseher ganz im Fin-stcrn. Was ich jetzo vom ganzen Leuchter habe, ist, daßer eine alte Epiktetölampe ist, bei der ich den Stoiker mache.Wie eine Sonne hatte das Licht oft zwölf Zoll Verfinste-rung und ich wünschte vergeblich, Herzchen, eine unsichtbareFinsterniß, wie man sie oft am Himmel hat. Die ver-buchten Licht-Schlacken Hecken eben jene dunkeln Begriffeund Nachtgedanken aus, >die ein Autor bringt. O Gott,hättest du hingegen gehörig geschnäuzt!"

Du spaßest gewiß, versetzte sie; meine Stiche sind vielfeiner als deine Striche, und ich sah doch recht hübsch."

So will ich dir denn psychologisch und seelenlehrerischbeibringen, fuhr er fort, daß cS bei einem Schriftstellerund Denker gar nicht daraus ankommt, ob er mehr oderweniger sehen kann, aber die Lichtscheere und Lichtschnuppe,die ihm immer im Kopfe steckt, stülpt sich gleichsam zwischenseine geistigen Beine wie einem Pferde der Klöppel undhindert den Gang. Schon nachdem du kaum ordentlichgeputzt hast, und ich im Lichte lebe, lauer' ich auf die Mi-nute des neuen Scheerens. Dieses Lauern nun kann innichts bestehen, da es unsichtbar und unhörbar ist, als ineinem Gedanken, jeder Gedanke aber macht, daß man stattseiner keinen andern hat und so gehen denn die sämmt-lichen bessern Gedanken eines Schreibers vor die Hunde.Und doch sprech' ich noch immer nur vom leichtesten Nebel denn ich brauchte ja nur an ein Licht-Schnäuzen so

' 3can Maul's ausgcw, Wcrle. vni> 14