Druckschrift 
8 (1848) Siebenkäs : erstes und zweites Bändchen
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

195

einen halben gemacht hätte. Ich mußte aber mitten imFeuer in der Kammer zu dir viele Worte sagen, für dieich keinen Kreuzer Ehrensold beziehe: du solltest mich dochendlich für einen alten dicken Spinnen- oder Kankerkörperansehen, den man in eine Schachtel sperrt (mein Stuben-nest ist gar nichts besseres) und welcher darin mit der Zeitzu einem köstlichen Goldkorn oder Juwel cindorrt. So oftich cintunke, zieh' ich Hab' ich dir öfter gesagt ordent-lich einen Goldfaden aus dem Dintenfaß, denn ich habeGold im Munde eben in der Morgenstunde.

hinunter und horche aber zu: ich bringe dir jetzodas Vorzüglichste vom Werthe eines Autors bei Gelegen-heit bei und gebe dir den Schlüssel über Vieles. . . . ImSchwabenland, im Sachsen- und im Pommerland sindStädte, in denen Autorenfleischtaratores sitzen, wie hier unseralter Metzgermeister; man nennt sie aber gemeiniglich dieSchmeckherren *) oder Geschmackherren, weil sie vorherjedes Buch kosten und nachher den Leuten sagen, ob es ihnenschmecken werde. In der Erboßung nennen wir AutoreSsie freilich oft Rezensenten; aber sie können unö gerichtlichdarüber belangen. Da die Schmeckherrcn selten Bücherschreiben, so haben sie besser Zeit, die der fremden Leutedurchzusehen und zu tariren. Ja oft haben sie selberschlechte gemacht und wissen also sogleich, wie ein schlechtesseyn muß, wenn sie eines vorbekommen. Manche sind ausdemselben Grunde Schutzpatrone der Autoren und ihrer

*)' Schmeckhcrren nennt man in verschiedenen Städten dieBier-Polizeilicutcnants, welche umhergehen und den Werthder Biere kosten.

13 *