Druckschrift 
8 (1848) Siebenkäs : erstes und zweites Bändchen
Entstehung
Seite
105
Einzelbild herunterladen
 

105

hängt an jeder als Medaillon oder wie Bleistücke am Tucheals Siegel des WertheS herab. Sie essen und trinken wahr-lich fast nichts; aber dicker Kaffee ist ihr gesegneter Abend-mahl-Wein und durchsichtiges dünnes Gebackenes ihr geseg-netes Oblaten-Brod; nur daß bei ihren Freundinnen undWirthinnen das letzte ihnen dann am besten schmeckt und sieeS fast vor Liebe fressen, wenn es versteinert sitzen gebliebenund schuß- und stichfest oder zu Beinschwarz verkohlt odersonst erbärmlich ist; sie erkennen willig alle Fehler, welcheihre innigsten Freundinnen begangen, und suchen die Schar-ten auszuwetzen, indem sie sie einladen und viel anders ab-speisen. Was unsere Lcnette anlangt, so buk sie von jeherso, beste Leserin, daß Kenner ihre Kruste, und Kennerinncnihre Krume verzogen und beide betheuerten, nur Sie, Beste,könnten etwas Aehnliches backen. Das Kochfeuer war daszweite Element dieser Salamanderin; denn das erste derguten Nixe war das Wasser. So in einer vollen Haus-haltung wie Siebenkäsens seine war, der alle Ephraimi-tcn von Leibgeber der Kirchweihe geweihct hatte sich wiein Sand zu baden, zu plätschern, zu scharren, zu schnattern,das war ihr Fach. Es war heute ihrem glühenden Gesichtekein Kuß zu appliziren, aber die Frau hatte auch zu thun;denn um 10 Uhr kam gar eine neue Arbeit hinter dem neuenArbeiter, dem Fleischer.

Ich benies' es jetzo selber, daß die Welt für einen kur-zen Bericht von der Sache mir und wer kann ihn weitergeben am Ende danken wird. Es wurde nämlich schonin Sommers Anfang eine schöne dürre Kuh, zu deren Kauf-schilling die vier Haushaltungen zusammenschvssen, auf dieMästung eingestellet. Der Buchbinder, der Schuhflicker, der