Leibgeber später mit dem Lichte erschiene. Aus einmalhüpfte ein gleitender bebender Kuß über seinen Mund und— nun schlugen alle Flammen seiner Liebe aus der wcgge-wehten Asche auf. Denn Le nette, so unschuldig wie einKind, glaubte, es sei die Pflicht der Braut, diesen Kuß zugeben. Er umfaßte die zagende Geberin mit aufmerksamerschüchterner Kühnheit und glühte mit allem Feuer, das ihmLiebe, Wein und Freude gaben, auf ihren Lippen mit seinen;aber sie wandte — so sonderbar ist dieses Geschlecht — dengefesselten Mund von dem brennenden ab und kehrte den be-glückten Lippen wieder die Wangen zu.-Und hier blieb
der bescheidene Gatte mit einem langen Kusse ruhen unddrückte seine Wonne bloS durch unaussprechlich-süße Thränenaus, die wie glimmende Naphtatropfen auf LenettenS Wan-gen sielen und darauf in ihr zitterndes Herz. Sie lehntedas Angesicht immer weiter zurück: aber im schönen Stau-nen über seine Liebe zog sie ihn doch enger an sich.-
Er ließ sie, eh' sein Liebling kam. Der auf den Bräu-tigam gefallene vcrrätherische Puderschnce — dieser Schmct-terlingstaub, der vom kleinsten Ansassen dieser weißen Schmet-terlinge an den Fingern bleibt, daher Pitt mit Bedacht 1795eine Taxe auf den Puder legte — entdeckte ihm wenig; aberalles erzählten ihm die naßschimmernden Augen seines Freun-des und der Braut. Beide Freunde sahen sich lange ver-legen-lächelnd an und Lenette blickte nieder. — Leibge-ber sagte zweimal hm! hm! und bemerkte endlich aus Angst:„unser Abend war ganz schön" — er stellte sich, um nichtangeschauet zu werden, hinter den Stuhl des Bräutigamsund legte seine Hand auf dessen Achsel und drückte diese rechtherzlich; aber jetzo konnte der Glückliche sich nicht mehr be-
Iran Paul'S cniSgcw. Werke. VIII. ^