Druckschrift 
1 (1855)
Entstehung
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lich nieder. Er hatte die vielen Jahre vorher ganz ruhig nnd ordentlichdarinnen gewirthschastet, nur daß über dem Thore die Aufschrift stand:„Hier wird keinem Bettler etwas gegeben."

„Ist denn nicht die Herrschaft ein Fideicommiß? wie durfte er denndas Schloß zerstören?"

„Freilich ist sie eines, aber da hat er innerhalb der Schloßsricdigungabseits den andern Gebäuden einen seltsamen Tempel aufgeführt, mitvielen Säulen, wie man sie oft als Lnsthanö in hochherrschaftlichcn Gär-ten sieht, und in diesem Tempel hat er gewohnt, wie man sagt, in un-gewöhnlicher Pracht und Ueppigkeit, mit seiner Frau, einer wunderschö-nen Zigeunerin, die er einmal brachte — und dieses Bauwerk hat erdann angcznndet. Es war freilich sein Eigenthnm, aber man erzählt,er habe für diese That viel Geld in dem Lehenhofe niederlegen müssen.Unten am Berge hatte er sich schon vorher ein kleines, steinernes Hansmit zwei Zimmern gebaut, nnd daselbst verlebte er die ferneren Tage sei-nes Alters, bis er starb. Sein Sohn Christoph war bei Lebzeiten desVaters nie anwesend; nach seinein Tode ist er gekommen, und hat sichwieder an einer andern Stelle innerhalb der Schloßmaner ein anderesGebäude anfgcführt, den Christophbau, aber ein Theil davon ist bereitsvor drei Jahren wieder eingestnrzt. Und so hatten alle einen Sporn imHaupte. Mein Großvater hat uns erzählt, daß der Vater des Juliusund Jnlianus, Graf Prokopus, oft ganze Nächte auf einem hohenThnrme saß — der Thurm steht noch — dort habe er lange Röhre aufdie Sterne gerichtet, oder ans einem Jnstruiuenie musieirt, das lange,furchtbare Töne gab, die man Nachts weil im Gebirge hörte, als stöhn-ten alle Wälder.

„Und Grafen waren Besitzer des Rothensteines?" fragte der Wan-dersmann.

„Grafen Scharnast seit dem Hussitenkriege, früher waren sie bloßBarone und Ritter; aber es war ein reiches Geschlecht, und wäre esnoch, wenn der Julian nicht so viel verschleudert hätte."

„Da muß ich gleich einen Brief in dieser Geschichte schreiben," sagteder Wandersmann, „und Ihr müßt ihn heute noch durch einen eigenenVoten nach Priglitz hinausschickcn."

Alle, selbst der Boten-Simon, der neben ihm ans der Bank saß,schauten bei diesen Worten dem Wanderer in s Gesicht, und hoben an zn