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war eine erhabne Jungfrau geworden, rein und streng, und hatte nur«ine Leidenschaft, Liebe für ihre Schwester. Clarissa liebte und hegteRonald fort und fort; in den goldncn Sternen sah sie seine Haare, indem blauen Himmel sein Auge, und als einmal ein Zufall jenes feenhafteGedicht des brittischcn Sängers auf ihre Burg herüber wehte, so sah sieihn dann oft als den schönen eisigen blondgelockten Knaben auf seinem Wa-gen durch die Lüfte schwimmen, den Lilicnstängel in der rechten Hand,ihr entgegen, der harrenden Titania. Selbst, als sie schon achtzig Jahrealt geworden, und längst ruhig und heiter war, konnte sie sich nicht an-ders denken — selbst wenn sie ihn noch lebend tränmte und einmal kom-mend — als daß er als schöner blondgelockter Jüngling hercintrete undsie liebevoll anblicke. Wenige Menschen besuchten die seltsame verwitterteBurg, nur ein einziger Ritter ritt zuweilen ab und zu.
Eines Tages blieb er auch aus — er war gestorben. Daß dieSchwestern sehr alt geworden, wußte man bis in die neuesten Zeiten,und der Hirt zeigte die Kammer derselben, aber kein Mensch kennt ihrGrab; ist es in der verfallenen Thomaskirche, oder deckt cs einer dergrauen Steine in der Burg, auf denen jetzt die Ziegen klettern? — DieBurg hatte nach ihnen keine Bewohner mehr.
Westlich liegen und schweigen die unermeßlichen Wälder, lieblichwild wie ehedem. Gregor hatte das Waldhaus angezündct, und Wald-samcn auf die Stelle gestreut; die Ahornen, die Buchen, die Fichten undandere, die auf der Waldwiese standen, hatten zahlreiche Nachkommen-schaft und überwuchsen die ganze Stelle, so daß wieder die tiefe jung-fräuliche Wildniß entstand, wie sonst, und wie sie noch heute ist.
Einen alten Mann, wie einen Schemen, sah man noch öfter durchden Wald gehen, aber kein Mensch kann eine Zeit sagen, wo er nochging, und eine, wo er nicht mehr ging.