Druckschrift 
1 (1855)
Entstehung
Seite
214
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besorgt doppelt Schloß und Riegel an den Thüren, setzten sich auf einBette zusammen, und redeten noch Vieles und Manches, sich tröstend undliebversichernd, auch daß sie morgen wieder nach Wittinghausen blicken,und daß sie nie mehr ohne das Fernrohr einen Spaziergang machen wol-len. So koseten sie noch lange, bis die rothe Scheibe des Mondes hochob dem Erdenrande schwebend, längst zur goldenen geworden, und Jo-hanna am Busen der Schwester wie ein Kind entschlafen war.

Clarissa ließ sie sanft auf die Kissen gleiten, und suchte auch ihrLager; noch hörte sie in ihre beginnenden Träume hinein das Jauch-zen der zurückkehrenden Knechte jenseits des See's herüber, und dasPlätschern des abfahrenden Grcgor's, der sie holte.

Dann sank tiefe, feste Ruhe über die schönen Augenlider.

5 .

Ivaft! wiese.

Des andern Tages stand schon die Sonne am Morgenhimmel, alsClarissa erwachte, und an das BettJohanncns trat, die noch tief schlum-merte, und sich ein ganzes Morgcnroth auf ihre unschuldigen Wangengeschlafen hatte. Da ging sie leise an das Fenster, das im Morgcngoldwallte, sah einige Augenblicke auf den Wald, der mit Reif bedeckt war,und Funken warf, und kniete endlich auf ihren Schemel nieder, um ihrMorgcngebet zu verrichten. Als sie aufstaud , sah sie auch Johannen anihrem Schemel knieen; daher wartete sie ruhig, bis auch diese aufgcstan-sien war, und dann, noch den Abglanz des gläubigen Gebetes in denAugen, grüßten sie sich heiter und freudig, und scherzten fast über ihregestrige Angst. Man ließ die klopfende Magd herein, und diese berich-tete, daß die Knechte erzählt hätten, wie draußen bereits Kriegsvölkcrziehen, und daß cs über die Wasserscheide oft wie Ameisenzüge gehe, allesgegen die oberen Dvnauländer. An den Waldrändern ist cs so einsamund stille wie immer. Bon Wittinghausen wußten sie nichts. Man be-