der Krieg seine Endschaft erreicht, und Euer Schloß Euch wieder ausge-nommen hat. Seid sorgenlos, meine lieben Töchter, und schlafet süß,wie vor vielen Jahren in Eurem Kinderbettlcin."
Die Mädchen sahen gerührt und ängstlich auf ihn, wie sie mit ver-schlungenen Armen vor ihm standen, und cs mochte ihnen fast unheim-lich dünken, daß er, an der äußersten Grenze menschlichen Hochaltersstehend, dennoch von Planen und Zeiten rede, die weit in die Jahre hin-auslagen. Johanna suchte vergeblich ihre aufsteigenden Furchtgcdankenzu dämpfen, die sie sich nicht zu sagen getraute.
„Sehet, da geht der blutrvthe Vollmond auf," begann er wieder,„sehet nur hin auf das düstre holde Licht, wie cs am Waldcsrand er-glimmt, und fast schon sichtbar die langen Schatten über den See strei-chen — ich Hab' cs hundert und hundertmal gesehen; — aber immer ge-fällt cs mir — ich habe so stets meine eigenen Gedanken gehabt über dasMondlicht — es ist ein wundervolles Licht."
„Ein schmerzlich schönes Licht," sagte Clarissa.
„Und nirgends seht Ihr es so schön, als im Walde," fuhr Gregorfort; „manche Nacht habe ich cs schlummern gesehen über den Forsten,wenn ich auf den Höhen gegangen bin — da glänzte Alles und flimmerteund glitzerte so ruhevoll — daß ich so manche Gedanken hatte über dieseEinrichtung, daß Nachts an dem Himmel diese glänzenden Scheiben hin-gehen — aber zum Nutzen ist es sichtbarlich; denn seht, wenn er so obensteht, mitten über den Wäldern, und weit und breit sein Licht niedcr-rieselt in die Zweige — wie sie da so froh sind im Nachtlichte, und Blät-ter und Nadeln auseinanderlegen, wie man eine Hand aufmacht, und inder Christnacht, wenn der Herr geboren wird, reden sie mit einander —
-geht schlafen, Kinder, geht schlafen — cs droht Euch gar keine
Gefahr; ich muß hier die Knechte erwarten, daß ich ihnen den Floß hin-iibcrrudere, wenn sie das Zeichen geben. Und Ihr," sagte er zu den da-stehenden Mägden, „nehmt das Federthier hinein, und trocknet es sorglich,vielleicht, daß die Schönheit des Gefieders wieder etwas herzustellen ist."
„Gute Nacht, Vater," sagte Clarissa.
„Gute Nacht, Tochter," crwiederte der Greis.
Und somit stiegen die Schwestern die Treppe zu ihrem Gemachehinan, angstvollen und harrenden Herzens, und als sic ihr mäßig Abend-mahl verzehrt, sich entkleidet und die Magd entlassen hatten, schlossen sie