143
3 .
Ä118 Haidedoi's.
Des erste» Abends war es öde und verlasse», und den beiden Elternlhat das Herz weh, als sie in der Dämmerung des Svmmers zu Bettegingen, und aufseine leere Schlafstelle sahen. Um denselben Menschen,der vielleicht eben jetzt noch auf dürrer Heerstraße wandelte, und vonKeinem beachtet, ja von den Meisten verachtet wurde, brachen fastzwei nalurrohe Herzen im entlegenen Haidehause, daß sie ihn von nunan, vielleicht auf immer entbehren sollten; aber sie drückten den Schmerzin sich, und jedes trug ihn einsam, weil cs zu schamhaft und unbeholfenwar, sich zu äußern.
Aber es kam ein zweiter Tag, und ein dritter, und ei» vierter, undjeder spannte denselben glänzenden Himmelsbogen über die Haide, undfunkelte nieder auf die Fenster und das altergraue Dach des Hauses ebenso freundlich und lieblich, wie als er noch da gewesen war.
Und dann kamen wieder Tage und wieder.
Die Arbeit und Freude des Landmanns, durch Jahrtausende ein-förmig, und durch Jahrtausende noch unerschöpft, zog auch hier geräusch-los und magisch ein Stück ihrer uralten Kette durch die Hütte, und anjedem ihrer Glieder hing ein Tröpflein Vergessenheit.
Die Großmutter trug nach wie vor ihren Holzschemel auf die Wiese,und betete daran, und sie und klein Marthe fragten täglich, wann dennFelix komme. Der Vater mähete Roggen und Gerste — die Mutterinachte Käse und band Garben — und der fremde Ziegcnbnbe trieb täg-lich auf die Haide. Von Felix wußte man nichts.
Die Sonne ging auf, und ging unter, die Haide wurde weiß, undwurde grün, der Holnnderbaum und der Apfelbaum blüheten vielmal —klein Marthe war groß geworden, und ging mit, um zu heuen und zuernten, aber sie fragte nicht mehr, — und die Großmutter, ewig undunbegreiflich hinaus lebend, wie ein vom Tode vergessener Mensch,fragte auch nicht mehr, weil er ihr entfallen war, oder sich zu ihrenheimlichen Fantasiegestalten gesellt hatte.
Die Felder des Haidebauers besserten sich nachgerade, als ob der