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Nähen und anderes weibliche Lückenbüßen ruhen muß, weil die Augenauf dem Verlesenden und die Herzen im Buche sind. Emma ist nicht im-mer dabei, Aston nie; er ist froh wenn er fort kann, weil wir unprakti-sches Zeugs lesen. Aber seine Freude hat er doch an unserm Treiben,und das Vergnügen mußten nur ihn, lassen, daß er uns für unsere Wis-senschaften ein „Pritanäum" schuf, und uns damit überraschte. Er hatcs uns Allen zu Danke gemacht. Drei Zimmer doll Gartcngrün undPappelschatten hat er dafür eingerichtet. Bon dem Apfelbaume führt dieTreppe hinan, und lieb und heiter ist cs in ihnen, wie die Kunst; dennsie sehen über den Garten auf noch mehr Gärten und auf die Berge, undtäglich lodert bei den großen Fenstern der Abendbrand des Himmels her-ein, dann schießen Goldflammen über das Glas der Bücherkästen undihre grünseidnen Vorhänge; auf dem Claviere und den Papieren wankenLanbschatten und Purpurlichter, und endlich auf das weiße Kleid und indas Antlitz der schönsten Gestalt wirft er ein ganzes, sanftes Tabor vonrosenfarbener Verklärung. — Wenn nun mitten unter dies; die Wortecincs großen Todten tönen.und die Begeisterung anfängt, ihre Fittige zudehnen: dann steht sachte in drei Herzen der Geist empor, den der Dich-ter rufen wollte, und verscheucht das lastende Gespenst, Alltäglichkeit.Wenn aus den schwarzen Zeilen allmälig sich die Gedanken heben, dieeinst ein gottähnliches Herz gedacht — dann habe ich ein Angesicht gegen-über, ein Angesicht, gespannt von Aufmerksamkeit und Empfindung;ach, und ich liebe cs mit zagendem Herzen; denn cs wird dann unnenn-bar schöner. Der reine Demant sittlicher Freude hängt in ihren Augen,und in ihren Zügen blüht ein weiches, großes Herz — aber mir tritt siewie ein unerreichbarer Stern, vom Sehrohr verfolgt, in noch weitere undnoch tiefere Himmel zurück.
Auch Lucie verklärt ihr Wesen in den Strahlen dieses schönen weib-liche» Geistes, und aus ihre»; Innern wächst ordentlich täglich sichtbarereine höhere Gestalt hervor, an der die Weihe des ernsten Strcbcns sicht-lich wird; denn sie ging schon seit länger her unter Angela's Leitung andie Wissenschaften der Männer und erobert sich freudig ein Feld nachdem andern. Selbst die kindische Emma wird cingeschüchtert von ihrervorausschreitende» Schwester; sie mag es wohl fühlen, daß hinter dempedantische» Krame, wie sie ihn nennt, wohl mehr stecke, als sie ahnteund Mancher sich gern den Anschein gäbe; denn das drückt den Andern