372
monat sic am natürlichsten zu einer Wallfahrt nach seinemletzten Orte cinladcn können.
Ihr Freund mußte nun wol den ganzen Abend mit schmerz-licher Wärme an die Letzte denken, die noch als der einzigeunbedeckte Stern aus dem überzognen Sternenhimmel seinervorigen Tage schimmerte. — Es wurde nun dämmernd; cswehte kühl; die Gewitter hatten sich schon an andern Ländernerschöpft; blos schwarzrothcs, zertrümmertes Gewölke, gleich-sam glimmende, halbverkohlte Brände, waren im Himmel über-einander gehäuft. Er ging znm letztenmal nun an den Ort,wo der Tod die rothc, zugleich mit der Knospe abgcschnittcnc,Nelke eingelegt hatte; aber in seiner Seele wehctc cs, wieaußer ihm, nicht mehr so schwül, sondern frischer — die Bit-terkeit des ersten Schmerzes hatten Thräncn verdünnt — erfühlte sanfter, daß die Erde nur der Zimmerplatz, nicht dieBaustelle der Menschen sei — im Morgen glänzte mit auf-steigenden Sternen ein blauer, langer Streif über den ver-sunken Gewittern — der Lichtmagnet des Himmels, derMond, lag wie eine Stralenquclle auf der Folie einer gespal-tenen Wolke, und das weite Gewölke schmolz ein und rücktenicht. —
Als Firmian näher am geliebten Grabe das gesunkneHaupt aushob, ruhte eine schwarze Gestalt darauf. Er stockte,er blickte schärfer hin: cs war eine weibliche, deren Angesicht,ins Eis des Todes eingefroren und cingeschmiedet, gegen ihnhinstarrcte. Als er näher trat, war seine thcucrste Natalie ambunten Grabgerüstc niedcrgcbrochcn angclehnt, vor dem Hcrbst-athem des Todes waren die Lippen und Wangen mit weißerSchminke angclanfcn, und die offenen Augen erblindet, und