Druckschrift 
9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 

151

Der Vcnner hat nämlich fünf Jahre darauf einen sehr gutenRoman wenn dem Lobe der Allg. deutschen Bibliothek zuglauben ist geschrieben, worein er das ganze Schismazwischen ihm und ihr, die Trennung von Leib und Seele,künstlich einmauerte; wenigstens will man es aus mehrenWinken Nataliens schließen. Das ist also meine VauklüsensQuelle. Ein geistiger Hämling wie Rosa kann nichts erzeugen,als was er erlebt, und seine poetischen Fötus sind nur seineAdoptivkinder der Wirklichkeit.

Es ging kürzlich so: kaum waren Firmian und Heinrichdas vorigcmal unter die Bäume hinaus: so holte der Vcnnerseine Rache nach und fragte Natalien empfindlich, wie sie solchebürgerliche oder verarmte Besuche erdulden könne. Natalie,schon durch die Eiligkeit und Kälte des entflohenen Paars inFeuer gesetzt, ließ dieses gegen den gclbseidenen Katecheten inFlammen schlagen. Sie versetzte:eine solche Frage beleidigtfast"- und that noch ihre hinzu (denn zum Verstellen oderAuskundschaftcu war sie zu warm und zu stolz):Sie habenja selber oft Herrn Siebenkäs besucht."Eigentlich (sagteder Eitle) nur seine Frau; er war blos Vorwand."So?"sagte sic, und dehnte die Sylbe so lang aus wie ihren zorni-gen Blick. Meycrn, erstaunt über diese, allem vorigen Brief-wechsel widersprechende, Behandlung, die er den Zwillingduz-brüdern aufrechncte, und dem jetzo seine körperliche Schönheit,sein Rcichthum und ihre Dürftigkeit und Abhängigkeit vonBlaisc, und sein Ehemanns-Nähcrrecht den größten Muth ein-flößte, dieser kühne Lene machte sich aus dem nichts, was sichkein anderer erdreistct hätte, aus der erzürnten Aphrodite näm-lich, um sic mit seinen Ernennungen zu Cicisbcaten, und über-haupt mit seiner Perspektive in hundert für ihn offne Gynä-