Druckschrift 
9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

134

Wasscrreiser tändelte, seine Blumen eilend in die zwei weißenHände drücken, um nur Menschenhände zu berühren.

Guter Firmian! geh zu deinem gerührten Freunde mitdeiner gerührten Seele, sein innerer Mensch streckt auch dieArme nach einem Ebcnbildc ans, und ihr seid heute nir-gends glücklich als an einander! Und als Firmian ins ge-meinschaftliche, nur von der rothcn Dämmerung Helle Zimmertrat: so wandte sich sein Heinrich um, und sie fielen einanderstumm in die Arme und vergossen mit gebückten Häuptern alleThräncn, die in ihnen brannten; aber die der Freude auch,und sic endigten die Umarmung, aber das Verstummen nicht.Heinrich warf sich in Kleidern in sein Bette und hüllte sichein. Firmian sank in das zweite daneben und weinte beglücktaus verschlossenen Angen. Nach einigen trunknen, von Phan-tasien, Träumen und Schmerzen erhitzten Stunden fuhr einleichter Schein über seine heißen Augcnlicdcr er schlug sicausder Mond hing weißglühend neben dem Fenster und errichtete sich ans. . . . Aber da er seinen Freund still und blaßwie einen Schatten des Monds an der Wand, am Fenster leh-nen sah, und da jetzo aus einem nahen Garten Rusts Melo-die des Liedes:Nicht für diese Unterwelt schlingt sich derFreundschaft Band rc." wie eine schlagende Nachtigall anfflog:so sank er unter dem Drucke einer schweren Erinnerung undeiner zu großen Rührung zurück, und die trüben Augen ver-schloß ein Krampf, und er sagte nur dnms: Heinrich, glaub'an die Unsterblichkeit! Wie wollen wir uns denn lieben, wennwir verwesen?

Still, still! sagte Heinrich; heute fcier' ich meinen Na-mentag; und der ist genug; einen Geburttag hat ja der Menschnicht, und mithin einen Sterbetag dcssalls nicht."