76
dem Vereinen der Seelen ist's im Ganzen eben so. Wo auchzuweilen gleichsam ein unsichtbarer, unendlicher Arm uns plötz-lich einem neuen Herzen entgegen drückt: da hatten wir dochdieses Herz schon lange unter den Heiligenbildern unse-rer Sehnsucht vertraulich gekannt, und das Bild oft verhan-gen und oft aufgedcckt und angebctct. —
Unserem Firmian wurd' es später Abends wieder im ein-samen Sorgestuhl unmöglich, mit aller seiner Liebe bis aufmorgen zu warten: die Eiusperrnng selber machte sie immerwärmer, und als ihn seine alte Besorgniß, er sterbe noch vorder Tag- und Nachtgleichc am Schlage, befiel, erschrak er un-gewöhnlich — nicht über den Tod, sondern über LcnettcnsVerlegenheit, wie sic für diese letzte Probe des Menschen, fürdie Ankcrprobe *), die Stollgebühren erschwinge. Er hattegerade Geld in Ucbcrfluß unter den Fingern; er sprang aufund lief noch Nachts zum Vorsteher der Leichenlottcrie, damitdoch seine Frau bei seinem Tod 50 sl. erbte als Eingebrach-tes, um damit seinen körperlichen Senkreiser hübsch mit Erdezu überlegen. Es ist mir nicht bewußt, wie viel er zahlte;ich bin aber dieser Verlegenheit schon gewohnt, die ein Ro-manschrciber, der jede beliebige Summe erdichten kann, garnicht kennt, die aber einen wahrhaften Lebensbcschreibcr un-gemein belastet und aufhält, weil ein solcher Mann nichts hin-schreiben darf, als was er mit Instrumenten und Briefgewöl-ben befestigen kann.
Morgens am 11. Fcbr., oder am Sonnabend, trat Fir-miau weich in die Stube, weil uns jede Erkrankung und Ent-
*) Diese besteht darin, daß man den Anker auf ein tiefes,hartes Lager nicderwirft.