Druckschrift 
9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
70
Einzelbild herunterladen
 

70

Nette eine unvorhergesehene Frage an ihn, worauf seine Brief-tasche noch keine Antwort enthielt, so schrieb er drei Zeilenund langte das Reskript über den Tisch hin. AllerhöchsteHandbillets oder Rathsverordnungen, die täglich wiederholtwerden mußten, ließ er sich Abends durch ein stehendes Re-guisitorialschrciben zu Ersparung des Briefpapiers wieder ge-ben, um den andern Tag den schriftlichen Bescheid nicht vonneuem zu schreiben: er langte das Abschnitzel blos hin. Wassagte aber Lenette dazu? —

Ich werde besser antworten, wenn ich vorher Nachfolgen-des erzähle: ein eiuzigcsmal sprach er in dieser Stummenanstalt,als er aus einer irdenen Schüssel, in der außer eingebranntemBlumenwcrk auch poetisches war, Krautsallat speiscte. Er hobmit der Gabel den Sallat weg, der das kleine Rand-Karmenüberdeckte, das hieß: Fried' ernährt, Unfricd' verzehrt. Sooft er eine Gabel voll weghob, so könnt' er einen oder etlicheFüße dieses didaktischen Gedichtes weiter lesen, nnd er that'slaut. — „Was sagte nun Lenette dazu?" — fragten wiroben; kein Wort, sag' ich; sie ließ durch sein Schweigen undZürnen sich ihres nicht nehmen; denn er schien ihr zuletzt zurBosheit sich zu verstecken, und da wollte sie auch nicht weitZurückbleiben. — In der That ging er täglich weiter nndschob ganz neue zcrbrochnc Gcsctztäfclchcn über seinen Tisch biszur Ecke, oder trug sic auf ihren. Ich nenne nicht alle, son-dern nur einige, z. B. das Karthauncnpapicrchcn des Inhalts(denn er erfand sich zu Liebe immer neue Überschriften):„stopfe der langen Näh-Bestie den überlaufcnden Mund, dieda sieht, daß ich schreibe, oder ich fasse sie bei der Kehle, wo-mit sie mir so zusetzt." — Das Amtblättchcn: „wasche mir einwenig unreines Wasser ab, ich will meine Waschbärpfotcu von