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9 (1848) Siebenkäs : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
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Die Musik war vorüber. Er hörte Lenetteu in derStube gehen und Licht anzündeu. Er ging hinaus und reichteihr das Schnupftuch hin. Aber sein innerer Mensch war soverblutet und zerdrückt, daß er irgend einen äußern, wer esnur sei, umarmen wollte; er mußte, wenn auch nicht seinejetzige, doch seine vorige, wenn auch nicht seine liebende, dochseine leidende Lenette an diese darbende Brust andrücken. Glcich-wol vermochte und verlangte er nicht ein Wort der Liebe zusagen. Er legte langsam und ungebückt die Arme um sie,und schloß sie an sein Herz; aber sie warf den Kopf kalt undvoreilig vor einem nnangcbotenen Kusse zurück. Dasschmerzte ihn sehr und er sagte:bin ich denn glücklicher wiedu?" und legte sein gebücktes Angesicht ans ihr wegge-bogenes Haupt, und preßte sie wieder an sich, und entließ siedann Und als die vergebliche Umarmung vorüber war:rief sein ganzes Herz: hin ist hin, todt ist todt.

Die stumme Stube, in der die Musik und die Worte aus-gehöret hatten, glich einem unglücklichen Dorfe, aus dem derharte Feind alle Glocken mitgenommen, und worin es still istden ganzen Tag und die ganze Nacht, und stumm im Thurm,als wäre die Zeit vorbei.

Als sich Firmian niedcrlcgte, dacht' er: ein Schlaf be-schließet das alte Jahr wie ein letztes und beginnt das neuewie ein Leben, und ich schlummere einer bangen, ungestalten,ticfbehangnen Zukunft entgegen. So schläft der Mensch ander Pforte der versperrten Träume ein, aber er weiß nicht

sonst halb vermoderte Kranke, denen, während sic in einemaus Opium gemachten Schlafe da ruhten, Schlangen dieWundenmaterie ableckten. Labats Reis. VI. x. 81 .