„Sie pries es sogar als genialisch an ihm (versetzte Ju-lienne) — Einen Solchen zu lieben, sagt' ich, oder solcheLeute, die ihn lieben, dazu find' ich in mir kein Herz. LebenSie denn so wohl, als cs gehen mag." Linda antwortete: „ichhasse alle Wünsche;" gab ihr die Hand, drückte sie nicht,schwieg still und sah in ihre Nacht. Sic wußte wenig vomleichten und schlaffen Abschied der verlornen Freundin.
Noch in derselben Nacht rcisete Linda, nachdem sie ganzallein lange mit dem Ritter gesprochen, in einem Wagen ohneFackeln, in ihre Schleier gehüllt, ganz einsam ab, und nie-mand wußte, ob sie gcweinct oder nicht.
Als Albano seine Schwester ausgehört hatte, sagte ermit sanfter, bewegter Stimme: „schließe Frieden mit der Ver-gangenheit, sic kann der Mensch nicht stürmen. Der großenUnglücklichen lasse die Nacht, in die sic selber hineingezogenist. — Weswegen wolltest du mich aber so eifrig zu dir ha-ben? Besonders weißt dn etwas von meinem Schoppe, so sich'ich darum." — „Ich antworte dir (sagte sic weinend undverwundert); aber Bruder, bethcucre, daß deine Stille nichtwieder der Vorhang eines neuen Unglücks ist — Ich kenn'euch Männer darin, man sollt' euch alle hassen und ich thu'cs auch." — „Ich habe nichts Trübes vor, vor Gott be-zeug' ich's. Ihr Weiber, die ihr euere Hölle erst ausgießcnwollt mit Thronen und ansblasen mit Seufzern, begreiftnicht, daß oft eine einzige Stunde Denken dem Manne einenStab oder Flügel geben kann, der ihn auf einmal aus derHölle hebt, und dann mag sie fortbrcnncn." — „So zeigemir (sagte sic weinerlich-komisch) deinen Flügel." — „Daßich (versetzt' er) nicht auf Menschen baue, sondern auf denGott in mir und über mir. Der fremde Ephcu geht um uns