25
Er trat in die Zaubcrkirche, die der Welt Segen, FluchtKönige und Päbstc gab — mit dem Bewußtscyn, daß sic wiedas Wcltgebäude sich immer mehr erweitere nnd entferne, jelänger man in ihr ist. Aus zwei Kinder von weißem Marmor,die eine Wcih-Mnschcl von gelbem hielten, gingen sie hin, dieKinder wuchsen durch das Nahen, bis sic Riesen waren. End-lich standen sie am Hauptaltar und dessen hundert ewigen Lam-pen — welch' eine Stelle! — Uebcr sich das Himmelsgewölbeder Kuppel, auf vier innern Thürmcn ruhend, nm sich eineüberwölbte Stadt von vier Straßen, worin Kirchen standen.
-— Am größcstcn wurde der Tempel durch Gehen; und wennsie um eine Säule traten, so lag ein neuer vor ihucu, undheilige Riesen schauctcn ernst herab. — Hier wurde dem Jüng-ling nach langer Zeit das große Herz gefüllt: „in keiner Kunst(sagt' er zu seinem Vater) wird die Seele so gewaltig vomErhabnen angefassct als in der Baukunst; in jeder andern stehtder Riese in ihr und in den Tiefen der Seele, aber hier stehter außer und dicht vor ihr." — Dian, dem alle Bilder deut-licher waren als abstrakte Ideen, sagte: „er hat vollkommenRecht." — Fraischdörfer versetzte: „das Erhabene stecke auchhier nur im Kopfe, denn die ganze Kirche stehe doch in etwasgrößerem, nämlich in Rom und unter dem Himmel, wobei wirja nichts empfänden." Auch klagt' er, „daß dem Erhabnender Platz in seinem Kopfe sehr verengt werde durch die un-zähligen Schnörkel und Monumente, die der Tempel zugleichmit sich in ihn hineintrcibc." Gaspard sagte, alles mit einemgroßen Sinne nehmend: „steht nur einmal das Erhabne wirk-lich da, so verschlingt und vertilgt cs eben seiner Natur'nachalle kleinen Zierden um sich her." Er führte zum Beweise