299
O, warum kam: denn keine Frau nur soweit und nichtweiter lieben, als mau haben will? Gar keine? — Meinet-wegen ; überall wollen schlaffe Prediger uns von jeder vergäng-lichen Lust abhalten durch die nachfahrende Unlust. Ist denndie Unlust nicht auch vergänglich? — Nabctte meint' cs gutmit mir, ans demselben Grunde des Wunsches, warum ich'smit ihr und mir so meinte. Aber, weiß es denn Jemand,welche Fegfcuer-Stunden man mit einem fremden Herzen durch-watet, das voll ist, ohne zu füllen, und dessen Liebe man amEnde hasset — vor welchem, aber nicht mit welchem manweint und -nie über Gleiches und dem man sich jede Rührungzu enthüllen scheuet, ans Furcht, sie in Nahrung der Liebeverwandelt zu sehen — aus dessen Zorn man den größcrnZornund aus dessen Liebe man den kleinern sangt? — Und nunvollends ans immer in diese Peinlichkeit die heitern Verhält-nisse eingeschraubt, die uns sonst über die peinlichen empor-halten sollen >— ans immer das lang gewünschte Götterglückdes Lebens in einen platten Schein und Kupferstich verkehrt— das Herz in eine Brust und Larve — das Mark des Da-seyns in spitze Knochen — Und doch bei allen Vorwürfen derKälte nur ans Schweigen gekettet, unschuldig und stumm ansdie Folter gebunden — und Das eben ohne Ende! —
Nein, lieber den Wahnsinn her, den man aus dem Tem-pel der Liebe sowol wie der Enmcnidcn holt! Lieber recht un-glücklich-entbrannt, ohne Hoffnung, ohne Laut, bis zur Bleich-heit und Wuth als so geliebt, nicht liebend! — Wer einmalin dieser Hölle brannte, Albano, der — fährt immerfort insie; das ist das neue Unglück. Verschmerz' ich nicht das Lebenund den Tod und die Wunden und Stacheln vorher und bingewiß nicht schwach? — Doch bin ich nicht im Stande, einer