244
so sah ihn Walt forschend an und fragte froh: „bist du zu-frieden, Bruder, mit dieser süßen Enge des Lebens; und mitden Orchester-Tönen und innern Zauberbildern, die wir heutevielleicht eben so reich, nur ungestörter, genossen haben als irgendein großer Hos?"— „Eine wahre Himmelskarte ist unser Le-ben, versetzte Vult, freilich vor der Hand nur ihre weiße Kehr-seite; doch einen Thalcr, den mir jemand auf die Karte legte,sah' ich nicht mit Unlust."
Am Morgen daraus sprach Walt von seinen schönen Aus-sichten auf die flötende Nachtigallcn-Dämmerung. Etwas müh-sam wurde Vult zu einer neuen Wiederschöpfung des melo-dischen Himmels gebracht. Aber mit desto größerem Feuererzählte darauf der Notar, wie glücklich er die dämmerndeharmonische Hörzeit angewandt habe, nämlich zur Verfertigungeiner Replik und eines Streckvcrscs im Roman; der Held sei— Hab' er unter der Flöte gedichtet — getadelt worden, daßer über das Wort einer alten, kranken, dummen Frau, welcheihn für seine Gaben an jedem Abend in ihr Gebet eifrig cin-zuschlicßen versprochen, sich innigst erfreuet, allein der Heldhabe versetzt: nicht ihres Gebetes Wirkung auf ihn wäre ihmetwas, sogar wenn diese gewiß wäre, sondern die auf sie sel-ber, daß ein so frierendes Wesen doch jeden Abend in eineschöne Erhebung und Erwärmung gelange. „Ist das keinwahrer Zug von mir, Bult?"
„ Es ist ein wahrer von dir (sagte Vult). In der Kunstwird, wie vor der Sonne, nur das Heu warm, nicht dielebendigen Blumen." Walt verstand ihn nicht; denn oft kames ihm vor, als finde Vult zuweilen später den Sinn alsdas Wort.
Im nächsten Dämmerungs-Feiertag und Feierabende, näm-