Druckschrift 
14 (1848) Flegeljahre : drittes und viertes Bändchen
Entstehung
Seite
72
Einzelbild herunterladen
 

72

chen-Logcn, den adeligen, schämten Mägde, die Arme in blaueSchürzen wie in Untcr-Shawls gewickelt, im clsmi-nsgligsdes Wochentags heraus. WirthschaftS - Kleidung in heiligerStätte war ihm harter Mißton. Der Pathe des getauftenUrenkels war der Ur-Großvater desselben, der das Schrei-Hälschen kaum halten konnte vor Jahren, und dessen abge-Pflückte winterliche nackte Gestalt Walten besonders dadurchins Herz drang, daß der alte Mann fünf oder sechs schnee-weiße Haare mehr nicht zu einem grauen Zöpflcin zu-sammen gesammelt und gedreht hatte, um sich zu zeigen.

Daß der alte Mensch dem jungen so nahe war, das Kinddes Grabes dem Kinde der Wiege, die gelben Stoppeln demheitern Maien-Blümchen, das rührte den Notar noch eineStunde über das Dorf hinaus.Spielet doch Kindtaufcns"sagt' er zu einigen Kindern, die ein Kreuz trugen und Be-gräbnis spielen wollten. Gerade aus dem Herzen flog ihmin den Kopf der Streckvcrs:

Spielet jauchzend, bunte Kinder! Wenn ihr einst wiederKinder werdet, bückt ihr euch lahm und grau; unter demweinerlichen Spiele bricht der Spielplatz ein und überdeckteuch. Wol auch Abends ,blüht in Osten und Westen eineAurora, aber das Gcwölke verfinstert sich und keine Sonnekommt. O hüpfet lustig, ihr Kinder, im Morgenrots», daseuch mit Blüten bemalt, und flattert eurer Sonne entgegen.

Die Zauberlaterne des Lebens warf jetzt ordentlich spie-lend bunte laufende Gestalten auf seinen Weg; und die Abend-sonne war das Licht hinter den Gläsern. Sie wurden gezogenund es mußte vor ihm vorüber laufen unten im Strom einMeßschiff ein niedriger Dorfkirchhof an der Straße, überdessen Rascnmauer ein fetter Schooßhund springen konnte