101
(die gastlichen Pflichten) zu machen. Sie ging einige Minutenhinaus, und kam dann wieder mit ihrem einfachen Gewand,ihrer Haube, und mit Handschuhen an, bereit, mir mit ebenso einfacher Unbefangenheit zum Führer zu dienen, als hättees deinem Vater gegolten, Alan. So machte ich mich alsomit meiner schonen Quäkerin auf den Weg.
Wenn auch das Haus zu Mount Sharon nur eine geräu-mige, anständige Wohnung von mäßiger Größe und geringerBedeutung ist, so können doch die Gärten und Oekonomic- 'Gebäude, obschon sie nicht sehr weitläufig sind, was Sorg-falt und Aufwand betrifft, sich kühn mit denen eines Grafenmessen. Zuerst führte mich Rahcl auf ihren Lieblingsort inden Hühnerhof, wo allerlei Arten Federvieh, das Seltenste so-wohl wie das Gewöhnlichste, zu finden war, das sich auf demLande aufhält, und so waren beide Gattungen wohl versorgt.
Alle diese Geschöpfe schienen ihre Gebieterin zu erkennen,und einige besonders Begünstigte eilten zu ihren Füßen, undfolgten ihr, so weit es ihre Gränze erlaubte. Sie kannteihre Eigenheiten und ihre Eigenschaften so genau, wie Jemand,der sich dem Studium der Naturgeschichte gewidmet hat. Ichgestehe, daß ich nie zuvor das Hofgeflügel mit so vielem An-theil betrachtet habe — es müßte denn gebraten oder gesottengewesen sein. Ich konnte mich nicht enthalten, ihr die ver-fängliche Frage vorzulegen, wie sie das Tödten eines derGeschöpfe, die sie mit so viel Sorgfalt pflege, anordncnkönne. Es wäre ihr freilich hart, sagte sie, doch aber wärees den Gesetzen ihres Daseins gemäß. Sie müßten sterben,doch wüßten sie nicht, wenn der Tod herannahe; und wennman ihnen nur ein erträgliches, angenehmes Leben verschaffe,so trüge man zu ihrem Glücke so viel bei, wie die Bedingungihres Daseins erlaube.