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Clemens Brentano an seinen Bruder Christian beiUebcrsendung der folgenden Lieder.
Berlin den 5. Zreenüm Ws.
Herzlich geliebter Bruder!
Du mußt mir erlauben, den nachfolgenden Liedern, derenAbschrift ich Dir aus inniger Liebe überlasse, einige Worte mitans den Weg zu geben, indem ich Dir sage, daß sie das Liebsteund mir Wohlthätigste geworden sind, was mir von menschlichenHänden in meinem Leben zugekommen ist. Als ich verwüstet,geängstigt, im Innern unheilbar krank, erstarrt gegen Gott undgeekelt gegen die Welt, wie in einer pfadlosen Traumöde imverderbten Leben stand, und verzweifelt an mir selbst, ohne Lustam Bösen und Guten, nichts war als ein dumpfer, todterMensch: hat der schwer geprüfte, bestandene kindliche Geist, derdiese Lieder aus inniger Liebe zum Herrn gesungen, sich meiner,wie der Samariter des unter die Räuber Gefallenen, rücksichtslosauf manche Schmach erbarmt, und ohne Absicht, ohne Vor-bewnßtsein einer Heilungskraft, mich aufgerichtet, geduldet, gestärktund zur Heilung geführt. Diese Lieder haben zuerst die Rindeüber meinem Herzen gebrochen, durch sie bin ich in Thränenzerflossen, und so sind sie mir in ihrer Wahrheit und Einfaltdas Heiligste geworden, was mir im Leben aus menschlichenQuellen zngcströmt. Indem ich sie Dir mittheile, theile ich Dirdas Liebste, was ich habe, theile ich Dir, was mir noch immerdas innerlich Erweckendste und Beweglichste ist, das mich stündlichmahnt und tröstet, mit.
Ob cs die Macht des unschuldigen, drängenden Gefühls ist,ans den: sie entsprungen, ob es der Moment ist, in dem sie mirbegegneten, der sie mir so erbauend macht, weiß ich nicht; aber