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1 (1855) (1855)
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bilder vor unseren Angen niederbrechen? Marien's Tod hatmir selbst das Leben weniger Werth gemacht, und ich gäbe esohnedies wohlfeil, wäre es nicht der einzige Raum, der unsvergönnt ist, uns ans den Tod vorznbereiten. Wer stürbe nichtgerne, wenn er das Leben so schuldlos in die Hände Gottesübergeben könnte,^ als er es ans denselben erhalten hat.

Die zweite Empfindung, welche ich bei Deinem Unglück gehabthabe, war der lebendige Wunsch, Gott möge Dir ans dieser hartenPrüfung ein tieferes Heil innern Trostes erwachsen lassen, alsirgend ein zeitlicher Besitz uns geben kann. Der seine Inhaberbeständig fesselnde und mit mannigfacher Bequemlichkeit und zeit-lichem Behagen bindende Lebenskreis, den Dir Dein Geschick zuumlaufen aufgab, gewährt seltenere Aussicht und Einsicht nachdem Centrnm unseres ganzen Daseins, und das herrlichste Gemüthvermag leicht in Erwerb und Besitz zu erstarren; so plötzlicheGewaltthat des Geschicks, als Dein Verlust, bricht daher zerstö-render und schmerzlicher ein. Ein grelles und heftig verletzendes Licht, o, man möchte darob erblinden, anderer unbewußter Sonnenfällt dann ins Herz, und alle Lichter, alle Schatten gewohnterfesselnder Umgebung fallen anders. Man glaubt, Alles sei zertrüm-mert, und weint, verwundet von dem schneidenden Strahl einesneuen Tages, der uns von der Gewohnheit des Daseins verbautwar. Aber auch an diesen neuen Tag gewöhnt man sich, und derSchmerz wird ein Lehrer, der Verlust ein Gewinn eines tieferenbeschaulichen Lebens. In solchen Momenten lernt man sich selbstund das Leben kennen, denn die Verbindung mit ihm reißt niederund man sieht seinen Werth in sich und in ihm. Wie schwer,lieber Georg, drückt das Leben auf unsere Brust, daß es soschrecklichen Traumes braucht, um aus dem Traum zu erwachen!

So weit hatte ich, lieber Bruder, geschrieben, als ich denBrief unseres so guten, als von Gott mit reicher Fülle derGaben nach allen Richtungen ausgestatteten Christian's erhielt.