Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
133
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Clemens Brentano an eine Verwandte.

Heidelberg den 6. Juli 1806.

Als ich mich bei Heppenheim schläfrig im Wagen zurechtsetzte, fühlte ich etwas unbegreiflich Hartes, die Wurst, welcheaus Deiner Speisekammer in meine Rocktasche gelangt war,konnte es nicht sein, und ich ergriff endlich Dein Perspectiv,welches nicht an diesen Ort gehört, wie Du aus Thümmel'sReisen wissen wirst. Du erhältst es Morgen per Postwagen.

Deinem Mahle mit Hüsgen und Batton hätte ich beiwohnenmögen: ich wünsche, daß diese beiden sinnvollen Leute angenehmeHausfreunde werden mögen.

Recht merkwürdig ist es, aus Frankfurt hieher zu kommen.Was Gall betrifft, dort Alles enthusiasmirt, hier beinahe keinInteresse für ihn. Daß er gegen Ackermann schreiben wird,wollen manche Gelehrte, die Gall gehört, nicht eher glauben,bis sie es sehen, weil er öfter schon von Widerlegungen gesprochen,die nicht erfolgt seien; auf unzählige Einwürfe habe er nie geant-wortet. Ackermann soll bereits durch Briefe aus Frankfurt undMainz gehört haben, wie stark Gall es gegen ihn vorhabe,dabei aber äußerst ruhig und recht begierig auf die Sache selbstsein. Wenn Gall sich hier recht evident als Sieger zeigt, fohat er ein großes Stück seiner Sache gewonnen. Ich glaubenicht, daß er hier ein Auditorium erhält, wenn er nicht öffentlichliest; die Stimmung ist wider ihn, oder wenigstens sehr lau fürihn. Fast Alle wünschen vorzüglich nur seine Gehirnzerlegung zusehen, um sie zu glauben, und sie sagen, wenn es damit wahrist, dann ist er ein großer Mann. Ich kann gar nicht begreifen,warum so Biele nicht daran glauben.