Mit Erstaunen mußte man auch gewahren, wie der menschen-freundliche Trieb, den Bedrängten beizustehen, ihn praktisch undthätig machte, selbst wenn in pecuniärer Weise Bedrängte sichan ihn wendeten; erfindungsreich strebte er ihnen Hilfe zuschaffen, während seine eigenen Vermögensangelegenheiten ihmfremd und unerträglich drückend waren und er sie nur höchstungeschickt zu handhaben verstand. Zeugniß dafür finden wir invielen seiner Briefe, einige davon sind eigentlich fast nur zurBestätigung dieses Charakterzugs ausgenommen worden.
Von dem Spätsommer 1830, wo er nach Frankfurt zu denSeinigen zurückgekehrt, war er längere Zeit dort im Kreise seinerFamilie, und in häufigem Verkehr mit De. Böhmer, Veit, Frauv. Schlegel, Steingaß u. s. w., arbeitete anfangs noch an seinenbarmherzigen Schwestern, die, wie wir schon gehört, 1831erschienen, machte kleine Reisen nach Koblenz, Wiesbaden, wo injener Zeit sein Bruder Christian das Bad brauchte, und der ausFrankreich verwiesene, geistreiche Bischof von Nancy, ForbinIanson, sich anfhielt und mit den Brüdern in nähere Beziehungkam, und zog auf Diepenbrvck's Aufforderung, der tief betrübtdurch Sailer's Tod sich nach dem alten Freunde sehnte, AnfangsJuli 1832 nach Negensburg, wo er in der ersten Zeit für sichwohnte, fleißig an seinem Leiden Christi arbeitete, den frommen,nach Sailer zum Bischof von Regensburg erwählten Wittmannnäher kennen lernte und sterben sah. Im Mai 1833 zog erzu Diepenbrock, Vater und Sohn, in des Letzteren Canonicats-haus an der Donau, siedelte aber im Octvber desselben Jahresschon nach München über, und sprach, von Regensburg scheidend,in seiner schönen Dedication des bitteren Leidens noch den Dankfür die dem müden Wanderer gewährte Herberge gegen Diepen-brock und Schwäbl aus. (Siehe gesammelte Schriften l. Seite 100.)
Wenige Tage, nachdem er in tiefer Trauer von Negensburggeschieden, trat eines Abends ein Alaun mit grauem Haar und