Die Anwesenheit von Görres und Arnim fesselten ihn auchnach dem Tode seiner theuren Frau an Heidelberg, und „desKnaben Wunderhorn," für welches Arnim und Brentano schonJahre lang gesammelt, gab 1806 durch sein Erscheinen Zeugnißvon dem gemeinschaftlichen Interesse, welches die Freunde verband.Vom Juli 1805 ist Arnim's Epilog zum ersten Bande datirt.Eine schon in frühesten Jahren lebendige und thätige Liebhabereifür das Sammeln von Chroniken, alten Gebetbüchern undreligiösen Manuscripten war Brentano zu solcher Arbeit einenützliche Vorbereitung gewesen.
Wie bedeutungsvoll das Erscheinen des Wunderhorns aufdie Entwickelung der deutschen Literatur gewesen, ist vielseitiganerkannt worden. Guido Görres sagt darüber: „Als der Knabeans dem geflügelten Rosse in das Wund er Horn stieß, dawaren es seine Zaubertöne, die das lauschende Ohr der Zeit-genossen einer in Vergessenheit gerathenen, unbeachteten Weltwieder zukehrten. „Das Wunderhorn" hat gewiß nicht wenigzur Weckung des deutschen Bewußtseins beigetragen; es hat denDeutschen den wahren Genius ihres Volkes wieder ins Gedächt-niß gerufen. Wie viele Dichter haben nicht aus diesem Brunnengeschöpft; in wie viele 'Schriften hat sich nicht, was ClemensBrentano und Achim von Arnim gesammelt, wieder als Samen-körner zerstreut; wie viele Componisten haben beim Schallejenes Wunderhorns nicht zu singen angefangen; Lieder, die seilJahrhunderten vergessen und verschollen waren, sind auf dieseWeise wieder, was sie ursprünglich waren, Volkslieder gewordenund im Munde Aller erklungen. An die Richtung deutscherRomantik, der das Wunderhorn angehört und die es ganzvorzüglich förderte, hat sich bis auf den heutigen Tag eine eigneDichterschule angeschlossen, sowie andererseits das Studium unsereraltern Sprache und Literatur nicht wenig dadurch geweckt undpopulär gemacht wurde."