Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 

3 »

Trages, bald in Frankfurt, dann in Wien und auch viel an derLahn und am Rheine war, wo er in Koblenz meist bei Franzvon Lassaulx einkehrte, dem er für die empfangene Gastfreund-schaft stets ein dankbares Andenken bewahrte, wurde er dort,zumal der Jugend beiderlei Geschlechts, ein Gegenstand großerAufmerksamkeit. In Freundeskreisen las er die erst vor Kurzemerschienene, gelungenste Übersetzung Shakspeares vor und fastmehr noch als der brittische Dichter wurde der junge, schöneVorleser und Ausleger bewundert.

In Düsseldorf schrieb er 1802 für eine dortige Schauspieler-directivn seine lustigen Musikanten, welchen das schon erwähnteLied im Godwi zur Grundlage diente. (Frankfurt am Mainbei Bernhard Körner, kl. 8. 78 Seiten.) Die Compositiondieses Singspiels von E. T. A. Hoffmann ist leider nur wenig

besucht, auch von OrchcstermitgUedern aus Weimar; die Landsmann-schaften in Jena aber mochten nichts damit zn thun haben.

Das Verhältnis Brentanos zu uns war durchaus imponircnd. weilihm ein Schlagwitz zu Gebote stand, dem nicht leicht Einer widerstehenkonnte. An Wrangel und auch an Kräh und Fries wagte er sich weniger.

Poncc de Leon wurde in dieser Zeit von ihm vollendet und uns aneinem Abend vorgelcsen. Sein Vorlesen erregte Erstaunen und Bewun-derung; mit dem Stücke selbst waren nicht Alle zufrieden.

Er sprach dortmal viel davon, nach Spanien zn gehen, »m spanischePoesie zu studiren und Canzoncn zu sammeln. Er gefiel sich, spanischeund italienische VerSarten in seinen kleinen Gedichte», die er uns vorlas,zu gebrauchen.

Von strenger Wissenschaft machte er keinen Gebrauch. Wir warenAlle, bis auf Wenige, Anbeter von Schilling, und wenn dann, wiegewöhnlich, Abends über das von Schilling Vorgetragene disputirt wurde,so nahm Brentano keine» Antheil, als höchstens im Spaße. Sonst hörteer seine Collegien regelmäßig.

ES war dortmals eine sonderbare Zeit/ Die Poesien Schlegel's,Novalis', Ticck's u. s. w. brachten hervor, daß man auch in einer nordi-schen. gebildeten Gesellschaft sagen durfte, man sei Katholik. Brentanobetrieb seine kleineren Poesien alle auf diesen Standpunkt hin. Übrigensging er bei allen großen Notabilitäten jener Zeit in Weimar und in Jenaals aufgcnommen ans und ein; nur erinnere ich mich nicht, daß er auchzu Schiller kam." (Köhler war Fürstlich Oettingen - Wallcrstcin'scherHofrath.)