Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
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wirklichen Leben erscheint, dürfte für unsere Leser nicht ohneInteresse sein.

„Dieser seltene Mann setzte dem goldenen Kopf *) bald dieAmalie, bald die Lisel (so hießen seine zwei Haarbeutelperücken^über die Frisuren: s Io Taubenflügel, Ninon, Sevigne, Rhino-ceros, Elephant, Cagliostro, Montgolfier, Heloise, SiegwartWerther, Titus, Caracalla und Jncroyable, ohne irgend einedieser Pantomimen der Zeit, welche dem goldenen Kopfe zugleichdurch die Haare fuhren, zu stören. Er beugte sich wie derimmerblülMde und fruchtende Christbaum einer derben sachlichenVorzeit*über einen gähnenden Abgrund und über den vonSeufzern zerrissenen Zaun der Gegenwart, bis zu der sehnsüch-tigen Iasminlaube der Pfarrerstochter von Taubenhain hin,welche beschäftigt war, den kaum verbleichten himmelblauen FrackWerther's und dessen' strohgelbe Beinkleider auf dem Grabe' Siegwart's gegen Mottenfraß auszuklopfen und abwechselnd denbei der Urne seiner Geliebten erfrorenen Kapuziner nach denMethoden des Miltenberger Noth- und Hilfsbüchleins aufzu-thauen, während Carl Moor, seine bleichgehärmte Wange aneinen Aschenkrug lehnend, ihr Matthisson's Elegie in den Ruineneines alten Bergschlosses vorlas, und seitwärts ein Verbrecher 'aus Ehrsucht mit Lida Hand in Hand im Mondenschimmer amUukenteiche Irrlichter weidete und nimmer vergaß, was er alldaempfand.

„Ein so großes Stück von der Geschichtskarte der Phantasieumfaßte jener Herr Schwab, daß ich wohl sagen kann: in denZweigen dieses Baumes plauderten noch die Legenden, Gespenster-geschichten und Märchen in nächtlicher Rockenstube, als schonLenore nm's Morgenroth aus schweren Träumen emporfuhr. —

») Der „goldene Kopf" hieß das Brentano'sche Familicnhaus i» der Sandhassein Frankfurt am Main.