Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
383
Einzelbild herunterladen
 

38 »

seiner neuen Heerde macht. Das hat er gewiß dabei in seinemInnersten gedacht und dabei den Schein einer öffentlichen katho-lischen Demuthsostentation auf sich genommen, als ein Kreuz zuden vielen anderen, welche er, den Zustand der katholischenKirche tief erkennend, bereits auf seinen Schultern trägt.

Ich kenne den gottseligen, geistreichen und durch und durchwissenschaftlichen, Alles tief verstehenden und weise übenden,praktischen, jungen Bischof seit er Priester ist, ja selbst einigeZeit vorher. Gottes Barmherzigkeit hat ihn erwählt und geführt,und wird wissen, wozu sie ihn gebraucht, er gibt sich dankbarund demüthig ihrer Führung hin; er hat die Gnade, alle Nothder Kirche in dieser Zeit bis in ihre Quellen zu erkennen,demüthig empfangen und dankbar bewahrt und wird mit weiserHirtenklugheit heilen und helfen. Er wird Keinem eine Lastauflegen, die er nicht bis zum Erliegen selbst mitträgt. Er istim Februar 1805 geboren, sein Vater, ein königlicher Beamtermittleren Ranges, und seine Mutter, die Tochter eines Bräuers,leben beide, er wohnte immer bei ihnen, sie sind ihm nachPassau gefolgt und führen seine Haushaltung. Er studirte mitAuszeichnung auf dem Gymnasium und widmete sich der Juris-prudenz, deren Doctorgrad er hier erwarb, worauf er bei demStadtgericht praktizirte. Hofstadt, der Schwiegersohn Wendel-städt's in Frankfurt, der unter seinen Jugendgenossen undTheilnehmern seiner Kunstinteressen war, kann Dir wohl Man-ches von ihm erzählen. Etwa im Jahr 1830 machte Hofstettereine Reise ins bayerische Gebirg und empfing hier einsam inder großen Natur den innern, deutlichen Beruf von Gott, ihmals Priester zu dienen. Heimgekehrt begann er sogleich dasStudium der Theologie unter höchst zurückgezogenem und abge-tödtetem Leben, ohne sich jedoch ganz von seinen jungen Freun-den zu trennen, an deren unschuldigen Kunstinteressen er fort-während einen leitenden und erziehenden Antheil nahm und auf