Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
346
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All seine Nichte Mathilde von Guaita.

München Ü8M

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Meine liebe, gütige Mathilde!

Schon zweimal hast Du mir aus einem wahren, unbe-fangenen, jugendlichen, weil natürlichen, gewiß liebenswürdigenHerzensdrang geschrieben, gar anmuthige Briefe. Aber, liebesHerz, es ist schwer für eine Art von Dichterseele, die sichvorgenommen hat, eine Christenseele zu sein, auf solche, etwasvom Birkensaft des Lebensfrühlings berauschte Briefe zuantworten. Seit ich Dich kennen gelernt habe, habe ich Dichherzlich lieb gehabt; aber immer war es mir bange bei Dirund wegen Dir. Wenn einem ein angenehmer, seltner Vogelznfliegt, der freundlich und zahm thut, so ist man vor allembemüht zu erfahren, welches Futter ihm gedeihlich ist, man darfsich nie ganz auf seinen eigenen Appetit verlassen, denn auchVögel können sich krank fressen.

Wer sollte mir aber sagen, was Dir aus meinem Besitzegesund sei? Wie sich der Wein nach seiner Gährung in Dirgestalten wird, kann ich nicht wissen, aber nähme er durch GottesFügung oder Zulassung irgend eine Entwickelung gut oderweniger gut, überhaupt gegen die Erwartung Derer, denen Duangehörst, wie leicht könnte man sagen, dieses edle Wachsthumhat durch verkehrte Auffüllung mit der Correspondenz desClemens einen üblen Beigeschmack bekommen. Alles das machtmich scheu und zwar aus Delicatesse.

Ich sah Dich hier zum ersten Mal, da Du so eben überdie mit Blumen geschmückte Schwelle des Paradieses desEhestandes getreten warst, und als ein kindisches, träumerisches,phantasirendes, eiwas trunkenes, schönes Wesen, neugierig und