An seinen Bruder Franz.
München den i>2. Januar M6.
Herzlich geliebter Franz!
Mit innigem Antheil vernehme ich deine redliche Betrübnißüber den schweren angefochtenen Stand der katholischen Kirchein Deutschland. Wir müssen aber dabei doch auch das Tröstlichenicht aus den Augen verlieren, daß die Verfolgungen und Chicanenein Beweis sind, daß die Gegner in der Kirche das Auflebentiefer und heiliger Kräfte fühlen, vor welchen sie sich fürchten.
Die Kirche ist durch Verfolgung immer stärker geworden.Was die Jrrlehrer auch gegen die Kirche vornehmen, sie ver-mögen nichts gegen das, was in ihr lebendig und ewig ist, dasTodte mögen sie nehmen. Im Ganzen wächst besonders hierim Lande, welches doch der Kern des katholischen Deutschlandsist, ein trefflicher Geist in den jungen Theologen heran. Wenngleich das sogenannte Wiederherstellen der Benediktiner und dasÜbergeben der Schulen an sie eine Art Hofliebhaber-Theater-Coup ist, so ist es doch ein Schritt weiter, mit welchem manden Vorzug der geistlichen Schulen anerkennt. Nach einiger Zeitwird sich Herausstellen für die allgemeine Erfahrung, was fürdie Einsichtigen schon Überzeugung ist, daß an vielen der neubeschriebenen ausländischen, nun königlich bayerischen Hofbenedik-tinern nicht besonders viel ist, und dann werden die dringendenBitten der Stadt Landsberg und anderer, auf ihre eigenenKosten Jesuitenschulen anlegen zu dürfen, durchdringen.
Viele Edelleute lassen ihre Söhne bereits in Freiburgerziehen und, was allerdings merkwürdig, selbst Montgelashat seinen Sohn dorthin gesendet. Es ist bei der gänzlichen