Schmausereien lächelnd plaudert, und sich das versäumte täglicheBrod in älteren Tagen auf einem Blatte vorpfeift. Ich findesie. ohne Affectation und nicht abgeschmackt — das ist entsetzlichviel übrig für eine invalide Hofzofe. Ich könnte sie ohneUnbehagen öfters sprechen; ich glaube, sie hat auch einiges Herz,vielleicht etwas zerschossen, aber doch noch fühlig, weil mehrverzupft als verschnupft, mehr verlodert als vermodert.
Die B. finde ich nicht ohne hohes Selbstgefühl der Selbst-überwindung; sie hat etwas von einer spröden Tugendheldin,und jener gefühlvollen starren Trockenheit, welche protestantischePietistinnen oft unfruchtbar und langweilig macht. Ich habemit ähnlichen Damen in Berlin lange freundschaftlichen Umgang,aber nie irgend eine Erquickung an ihnen gehabt. Man kannsie nur, wie ein wohlversiegeltes und etiquettirtes Univcrsalmittelfür gar nichts, als die Hochachtung, in der Entfernung verehren.Will man einige Tropfen auf Zucker nehmen, so sind sie geruch-los, weil sie sich selbst gerochen, geschmacklos, weil sie sich selbstgeschmeckt, und heillos, weil sie allein zureichten sich selbst zuheilen, und es bleibt nichts übrig, als der Löffel mit fademGeschmack, denn auch den Zucker ziehen sie in sich hinein.
Übrigens soll dies keine Wahrheit sein, sondern nur eineleise Ablehnung des Wohlgefallens. Ich halte sie für edel-müthig, großmüthig, starkmüthig, nur nicht für ganz demüthig;sie meint es gewiß gut, aber sie gefällt mir nicht; das Weltkindgefällt mir besser; ich meine, da könnte eher etwas darauswerden. Diese aber ist gehobelt, gedreht, geglättet, gebeitzt,lackirt und appretirt, wie eine Herrnhuter Nadelbüchse. —Nichts für ungut! Ich bin auch ein Tölpel und habe mehrGeschmack, als Urtheil! Sie ist ein bischen säuerlich vortrefflich;wenn man so recht ernstlich vortrefflich sein will, muß man demmehr gleichen. — Einliegenden Brief, der mir gesandtward an Papa, nebst Gruß an M. L. S., die drei Colombes,