selbst im Sündenleben habe ich keine trunkene Minute gehabt,ich bin müde und zerschlagen gewesen. O meine Freundin, ichhob keine Hand mehr um mich auf, beten konnte ich nicht mehr,mein Leben war ein dumpfes Träumen und ich war elend,elend!
Ich las in der Schrift, sie gab mir keinen Trost, ich gingin unsere Kirche, es trieb mich hinaus; Alles war mir einÄrger, denn ich war es mir selbst. Ich habe dabei wohlgefühlt, daß nur die Unschuld leben und sterben kann. ^An dasHeilige zu glauben sehnte ich mich, denn ich fand es so möglich,als das Unheilige um mich her, das ich wußte; dabei lag einLeben voll Verwirrung und Sünde und zerreißendem Jammerauf mir. Ach wie schwer! wie schwer! — Manchmal kommtes noch Alles über mich, und dann möchte ich vergehen.
In dieser Verzweiflung ergriff es mich oft wie ein Krampf,und ich mußte Abends im Bett zusammengedrückt das Zeichendes heiligen Kreuzes über mich machen; dann drückte ich dieHände fest, fest an mein verzweifeltes Herz und flehte umHilfe und schlief unter wenigen, schnellstürzenden Thränen ein. ^An diesem Kreuz, diesem heiligen, ewigen, allmächtigen Zeichen,an diesem Kreuz, vor dem alles Böse fliehen muß, an diesemInhalt aller Schrift und alles Gebets, an diesem Samenkornaller Weihung, aller Gnade, alles Wunders, an diesem leben-digen ganzen Christenthum, innewohnend der kindlichen Bewe-gung einer Hand; an diesem Kreuz, das die Welt zu einemklingenden Tempel des Herrn machen würde, so auch keineSeele mehr auf ihr wäre, bin ich elender, armer, verzweifelterMensch wieder erwacht; und dieses Kreuz hat'mich die heilige,seligmachende, allgemeine, christ-katholische Kirche durch meineEltern lehren lassend
Dieses Kreuz konnte mir Niemand nehmen; keine Philo-sophie, keine Moral, keine Weltklugheit, keine Kirchengeschichte,