An eine jüngere Freundin.
München den 25. Mobec .1853.
Glockenstraße Nr. tl. dci Maler Professor Schlotthauer.
Ich habe in Regensburg die Passion und eine kurze
Biographie der Emmerich als Einleitung drucken lassen undbin nach Vollendung nach München gezogen, wo ich seit vier-zehn Tagen bei Professor Maler Schlotthauer lebe, in gemein-schaftlichem Haushalt. Es geht mir über Maß und Rechtgut, ich habe Genügen, Erbauung und große Liebe. Ich denkenun das Leben Mariä, Christi Geburt, Flucht nach Egypten,auszuarbeiten.
Da hier der Landschaftsmaler A. mit seiner Frau nach B.reiste, gab ich ihm ein Exemplar des bittern Leidens für Dichmit, weil Du (wie alle Menschen) daran mitgearbeitet. Ichhatte Herrn Diez Exemplare gesendet mit Auftrag, Dir eineszu übermachen; damit Du es früher haben mögest, gab ich es
auch A. Seine Frau, welche Spuren von Kindlichkeit
zeigt, versprach Dir es selbst zu bringen. Beide Leute haben
nichts Störendes.
Herr und Frau von Kerz, zwei gute katholische Herzen,tragen Dich in denselben und äußerten mit elterlicher Liebe undTreue manche Sorge und Theilnahme um Dich, als seist Duleidend, gebeugt, ohne Behagen von Innen und umher. Auch
die anmuthige Frau PH., welche mit einer magdlichen
Begeisterung zu Dir neiget, bedauert Mühseliges in Dir undum Dich. L-... was hast Du? Ist das prophetische Lied:
Sie trug an ihrer NippeDen welken Blumenstrauß,
Der Tod mit seiner Hippe,
Der tanzte ihr voraus,