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Angrfsngcner Brief sn einen Geistlichen.
Ohne Llltnm.
Hochwürdiger Herr!
Sie haben wohl mit Recht gesagt, daß jenes Weib mitweit ausgeschnittener Rückenbedeckung in einer gewissen StadtÄrgcrniß gegeben habe; aber Sie wissen doch nicht, in welchemGrade. Denn, erwägen Sie, am Schutzengelfeste hat sie sich vorden bösen Buben zu retten, in eine Schulkirche geflüchtet, undals sie die Knaben darin versammelt sah, und fühlte, daß sieihrem Feinde in den Rachen gelaufen, ist sie in ihrer Angsthinter dem Prediger die Kanzel hinaufgeschlichen, und hat sichunbemerkt hinter ihm niedergekauert.
Da ward ihr wohl die Hölle heiß, als dieser so vielschreckliches Weh über Jene aussprach, welche Ärgerniß gebenund Ärgerniß nehmen. Ach! ihr armer Rücken ward gut zuge-deckt mit Gewissensbissen; sie nahm sich fest vor, ihn keinemMenschen mehr zu zeigen. Wie glücklich fühlte sie sich, da sieein Bild des Epheu's und der Weinranke aussprechen hörte,welche, gestützt vom guten Beispiel, manche Blöße grün umzögenund bedeckten; es war ihr wie Eva im Paradiese, da sie denBaum fand, mit dessen Blättern sie sich bedecken konnte; siemachte sich auch eine ganze Weinlaube über ihren von den bösenBuben mißhandelten Rücken, und saß darunter, wie Jonas unterder Kürbisstaude.
„Ach," dachte sie dankbar, „heute ist das Schutzengel-fest; wie gütig ist mein Schutzengel; ich habe ihm durch
*) Wahrscheinlich van Koblenz und nach der Zeit hieher gehörig.