angedeutet werden; wer aber den Nervenfaden nach demCentrum abgeschnitten hat, erbittert leicht wie ein Tauber, dersprechen sieht und nicht versteht. Ich hoffe, und zweifle nicht,daß Sie dort viele alte Freunde und heitere Reminiscenzenund allerlei Kunsteindrücke genießen werden, die einem soeinsamen und auf sich allein reducirten Herzen wie ein frischerWasserquell werden müssen. Es wäre schade, wenn' keineandere Gemüthserhebung, als die eines Kunstcommers dabei statt-fände, keine Andacht, als eine künstlerische Wartburgsfeicr. Ich— was sollte ich dort thun, der da glaubt, daß eine heiligeMesse für Dürer's Seele demselben jetzt mehr werth wäre, alsaller Nachruhm und alle Eitelkeit der Anderen in ihm.
Die Menschen sind aber so: sie wollen ihre Lieben auchnach dem Tode noch essen und genießen; geben aber wollen sieihnen nicht, was sie bedürfen. Welch große Liebe des Herrn!Er kannte die Menschen und gab ihnen, für die Er gestorben,auf ewige Zeiten sich zur Speise!
Sehen Sie doch zu, ob Sie unter den anwesenden Künst-lern irgend Etwas zu Stande bringen, wobei Ihnen etwa derunternehmende Campe dienen könnte. Meine Idee wäre eineBilderbibel, aber ohne große Prätension, sonst wird sie niefertig und ist nicht zu bezahlen. Sie muß nothwendig deutlich,in bequemer Größe und wohlfeil werden. Um nicht lange zuwählen, zertheilt man eine Merianische Bibel in Blätter, unddie Meister des Festes vertheilen die Blätter an die einzelnenKünstler; die schnellsten und talentvollsten müssen die Blätterhaben, die am ersten fertig sein müssen. Die Passion, dasLeben Mariä und die Apocalypse Dürer's werden darin benützt,aber nicht ganz beibehalten, sondern umgearbeitet; denn wasbraucht man seine Knitterfalten und sonst was irgend eine Con-fession betrüben könnte? Das Format von dem Zinsgroschen,den ich von Ihnen habe, wäre gut; man könnte zwei Auflagen