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2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
196
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den bedeutendsten Abtrünnigen dedicirt. Chorherr Geiger hatihn im Katholiken recensirt; doch ohne bedeutenden Erfolg.

Molitor's erster Band von der Philosophie der Geschichtein Bezug auf Tradition, worin er seine rabbinische Ausbeuteeinleitet, hat bei allen tieferen Exegeten Aufsehen erregt.

Soeben erhalte ich einliegenden Brief von Sailer, der sichauf Deinen ihm gesendeten Brief bezieht. Du wirst darausermitteln, was Du ihm weiter darüber zu schreiben nöthig habendürftest. Du siehst aus Sailer's Brief seine ihm so noth-wendige Abneigung vor Öffentlichwerduug von persönlichenAnsichten, und ich empfehle Dir darum über Alles, was ihn indiesem Briefe betreffen kann, Verschwiegenheit.

Melchior meldete mir neulich den Empfang eines liebevollenBriefes von Dir; er klagt, daß Du ihn im Verdachte des Wider-willens gegen Rom gehabt, da er nur der Verliebtheit Der-jenigen, welche den Unrath des vergötterten Gegenstandes fürwohlriechender, als allen Unrath halte, nicht beistimmen könne.Er hat durchaus die Richtung für die Ascese des Johanness Lruce, dessen Lieder er ausgezeichnet aus dem Spanischenübersetzte, und des Heinrich Suso, dessen Schriften er jetzt imManuscripte fertig hat. Er hat zu solchen Dingen ein ganzausgezeichnetes Talent, und durch seine Stellung und Geschäfteeine sehr detaillirte Einsicht in alle Leiden, Hindernisse undMängel der Kirchenzucht und Mittel zu helfen; dabei ist derArme von verzweifelten hypochondrischen Anfällen gemartert,und entbehrt, außer Sailer's, allen eminenten geistlichen Umgang.Er ist durch und durch katholisch, aber die Polemik ohne tiefereErkenntnis; und Heiligkeit verwundet ihn tief; heilen möchte ersehen, aber nicht prügeln. Ich kann seine Moralität, sein Talent,seine Selbstbändigung, seine Liebe und Demuth nur verehren,und doch macht mir ihn sein kranker Humor oft beschwerlich.