Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
58
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erbarmen, er wird Sie erwecken, und quälen und treiben, bisSie ihm dienen, wo er seinen Weinberg hat. Immer habe ichIhre Geduld bewundert, wie Sie meinen Widerspruch, meineweil gezwängte darum manierirt freie Weise ertrugen. Am Endewußte ich nichts, als Gutes und Liebes von Ihnen, und immersah ich auf Etwas in Ihnen mit einer gewissen Ehrfurcht; ichkann es nicht nennen, ich weiß es nicht, lassen Sie es dasErbarmen Gottes mit Ihnen sein, den directeren Zug derGnade, den Beruf. Ich hätte nicht so viel von Kunst mitIhnen sprechen können, hätte mir nicht ein heiliger Schimmerhier auf ihr gelegen, wie auf Stoffen, in die Heiligthumgewickelt war, denn mit derselben verpackt, erschien mir jeneGnade an Sie gekommen. Mußte es mich nicht rühren, wennSie mir begeistert jene guten, geehrten Lappen auseinanderfalteten und recensirten, während ich nur auf das schaute, wasIhnen dadurch angethan war. Ich betete meist still:Ach mögees doch an ihm lebendig werden, was ihn von diesen Lappenanwehte!" Selbst auf der Rheinreise fühlte ich ein großesBerdienst in Ihnen, daß Sie trotz Ihres Übelbefindens liebendmitzogen, und erkannte die gerechte Strafe Gottes in meinemheftigen Schnupfen, der mir ein Gebiß im Maule war, sonsthätte ich ungeduldig Ihren antiquarischen Freundschaftsergüssenmanchen Berg in den Weg geschoben und wäre undankbargeworden.

Aber ich fühlte den lange nicht besuchten Rhein, und Allesumher, viel kleiner und ärmer, als in früheren Besuchen, woich das Leben noch für eine Art von Ewigkeit muß gehaltenhaben; aber auch schon damals erkannte ich in der Wirkung desErhabenen und Schönen nur die Täuschung eines schönen Schat-tens von einem gefallenen, verkrüppelten Bild. Eine Bewun-derung, eine Rührung, ein Natur- und Kunstgenuß, ja eineFreude, die nicht ein elegisches Element gebundener oder freier