Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
39
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Bülow hat in Regensburg durchreisend Sailer besucht undläßt Dich durch Melchior grüßen, er ist jetzt bei der Gesandtschaftin Frankfurt am Main.

Von Rom lernte ich aus zwei Briefen die dortigen Künstler-bekanntschaften Christian's, welche alle Deutsche im Anfängenothwendig bekommen, und den allgemeinen Eindruck kennen,den ich schon ziemlich wußte. Die großen Feste in den Haupt-kirchen, der neugierigen Fremdenmenge wegen, ganz spectakelhaftund ungenießlich; alle anderen Pfarr- und Klosterkirchen abervon der höchsten Ordnung und Erbaulichkeit, sehr vertraute undapostolische Predigten, wöchentlich zwei- bis dreimal in mehrerenKirchen Vorlesung und öffentliche Erklärung des ganzen altenund neuen Testaments das ganze Jahr hindurch. Der Beicht-stuhl nie leer, tägliche Communion, schöner Gesang und rührendeAndachten. Es lebt eine Fürstin Hohenlohe-Bardenstein ausFrömmigkeit schon lange sehr einsam dort, sie hat viele Kenntnisseund geistliche.Erfahrung. Sie erzählte Christian, daß sie denExorcisten Pater Gassner gekannt, und daß ein Edelmann vonatheistischer Gesinnung, dessen Namen sie nannte, am Hof ihresVaters höhnend die Heilungsworte Gassner's über seinen Wind-hund in der Gesellschaft ausgesprochen; da sei ihm augenblicklichder Hund ins Gesicht gesprungen und habe ihm den Mund unddie Zunge weggerissen. Er sei bald darauf gestorben, sie habedamals sehr auf die öffentliche Bekanntmachung gedrungen, aberihre Familie habe, um die Seinigen zu schonen, es unterdrückt.

Lebe wohl, mache Alles sehr einfach, ordinär und vortrefflich,sei gerade, ohne ausgespannt, gebeugt, ohne zusammengeschnurrtzu sein, liebe Gott und den Nächsten, und bete für mich.

Clemens Brentano.