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2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
19
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IS

Hat Gott mit den Menschen und besonders mit mir Geduld,warum soll ich nicht täglich wieder neu Geduld haben, wenn ichgleich kaum einen Tag ohne Betrübniß und manchen mit rechterSeelenstörung durchkämpfen muß? Aber man sinkt oft ganzzusammen, wenn man stündlich unaussprechlich Werthes einemNichts geopfert sieht und eine herzzerreißende Verschleuderung deredelsten Gaben, aus Condescendenz gegen ganz nichtige Umstände.

O, die Barmherzigkeit Gottes ist groß! Nach aller mensch-lichen Rechnung ist sie ein Verschwender; der barmherzige Gottallein verschwendet an uns Menschen, weil wir Verschwender,ja Vergeuder sind.

Christian ist, wie mir Melchior Diepenbrock schreibt, inRom angekommen, är hat ihn bis Mailand begleitet.

Haben Sie sich wohl je darum bekümmert, ob diesesKloster *) nicht vielleicht, wie die anderen Nonnenklöster, vielealte Erbauungsbücher besitzt, welche schändlich herumfahren, aufBöden, in Winkeln, Kisten und Kasten, und wo man oft mitFüßen darauf herumgeht. Lassen Sie, so dieses sein sollte, dochin Anregung bringen, daß man sie verkaufe und brauchbareneues Erbauungs- und Schulbücher dafür anschaffe. Von denalten Klosterbüchern, wenn mir das Berzeichniß gemeldet würde,würde ich vielleicht gerne Vieles besser bezahlen, als Andere,und jetzt dürfte doch wohl Alles zu Grunde gehen. Ich weiß,daß es nirgends übler mit den alten Klosterbibliotheken herging,als bei den Nonnen.

Ich harre noch auf Windischmann, und bin Ihr in Jesuzufriedener, in der Welt geplagter, herzlich ergebener_ Clemens.

') Dorsten.

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