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22 (1852) Redgauntlet
Entstehung
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Tag für Tag, und wage nicht den geringsten Versuch, ummeine Befreiung zu bewerkstelligen.

Aber die Quelle meiner Unthätigkeit entspringt nicht inder Erschlaffung meines Geistes, sondern in Gefühlen ganzanderer Art- Meine Lebensgeschichte, die lange Zeit in eintiefes Geheimniß gehüllt war, scheint nun auf dem Punktzu flehen, wo der Schleier fallen wird; ein inneres Gefühlgebietet mir, den Lauf der Begebenheiten abzuwarten, wo-gegen zu kämpfen, meine schwachen Kräfte dem Willen desSchicksals entgegenstemmen hieß. Du, mein Alan, wirst dieseduldende Ruhe für Feigheit ansehen, die mich wie eine ent-mannende Betäubung überfallen hätte; denkst du aber an dieErscheinung, die mein Krankenbett umschwebte, vermuthest duwie ich, daß ich in der Nahe, ja vielleicht unter einem Dachemit dem G. M. bin, dann wirst du einsehen, daß ein Gefühl,das sehr verschieden von Mnthlosigkeit ist, mich dazu bewegt,mich gewissermaßen mit meinem Schicksal auszusöhnen.

Doch gestehe ich ein, daß es unmännlich ist, mich geduldigeiner gewaltthätigen Gefangenschaft zu unterwerfen- MeinHerz empört sich dagegen, besonders wenn ich mich niedersehe,um in meinem Tagebuche meine Leiden zu erzählen; ich binentschlossen, den ersten Schritt zu meiner Befreiung zu thun,und wo möglich einen Brief auf die Post legen zu lassen.

Ich bin getäuscht. Als das Mädchen Dorcas, das ich mirzum Boten ausersehen hatte, von der Besorgung eines Brie-fes hörte, bot sie mir willig ihre Dienste an, und empfingden Kronenthaler, den ich ihr gab (denn meine Börse warmit meinem inhaltsschweren Taschenbuch nicht entflohen) miteinem Lächeln, das die ganze Reihe ihrer weißen Zähne zeigte-