Druckschrift 
1 (1845)
Entstehung
Seite
409
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dertö aus einem erlauchten Geschlechte geboren. Noch als Jünglingmit der reizgeschmücktcn BIasia BandlnelIi Ceretani vermählt,stieg cr auf der Leiter der Ehrenstellen bis auf die hohe Stufe einesGemfaloniere der Republik. AIS er einst hungrig nach Hanse kam,und die Mahlzeit znr gewöhnliehen Zeit nicht bereitet fand, entrüsteteer sieh außerordentlich, sowohl gegen den Koch, als auch gegen seineeigene Gemahlin. Die sanfte Gattin snebte ihn zu beruhigen, undbat ihn, in einem Buche zu lesen, bis die Mahlzeit bereitet wäre.Es war dies Buch aber eine Sammlung von Legenden. In derersten Aufwallung warf er das Buch auf den Boden, hob eS aber,nachdem die kluge Gattin stillschweigend sich entfernt hatte, wiederauf, durchblätterte es, laS endlich, und vertiefte sich so sehr, daß erEssen und Trinken darüber vergaß. Als er es weglegte, war er einanderer Mensch geworden. Sein Hochmuth verwandelte sich in De-muth, sein Geiz in Freigebigkeit, sein Jähzorn in fromme Ergeben-heit; er fastete beinahe täglich, besuchte fleißig die Kirche, und züch-tigte seinen Körper durch verschiedene Kasteiungen. Endlich erfassend,welch' einen hohen Werth die Kirche von jeher auf die Enthaltsam-keit legte, machte cr seiner Gemahlin den Antrag, künftig nur alsBruder und Schwester mit einander leben zu wollen, wozu die zwarnoch junge, aber fromme Dame mit aller Freude einer Tugendhel-diu sich verstand. Jetzt legte er die Aemter und Ehrenstellen nieder,kleidete sich ärmlich, und bald war sein Palast ein Hospital für Armeund Kranke geworden, welche er selbst mit aufopfernder Liebe ver-pflegte. Durch sein Beispiel und seine Freundschaft bewogen, geselltesein Freund Franz von Mino Viueenti sich zu ihm. StrengeHebungen warfen endlich unfern Johannes auf's Krankenbett; alleinkaum war er von seiner Krankheit genesen, als er sein großes Ver-mögen in drei gleichen Theilen an drei Klöster, gegen Sicherheit einerLeibrente für seine Gemahlin, schenkte, sich selbst und seine Tochterdem klösterlichen Leben weihte und auch seinen Freund veranlaßt«:,das Gleiche zu thun. Fortan lebten beide von Almosen und Hände-arbeit, indem sie Holz und Wasser trugen, und Höfe und Canäle indem Schlosse reinigten, in dem sie vormals so hohe Ehren genossenhatten. Zu ihnen aber gesellten sich gar bald Biele, die sich berufenglaubten, sich durch) strenge Nebungen der himmlischen Vergeltung