Vorsteher dcr italienischen Congregation ist gegenwärtig P. Leopoldvom heiligen Hieronymus aus dem Genuesischen.^
Siebentes Aapitel.
Augustiner.
Die Geschichte der vier großen Bettelorden schließen die Eremi-ten des heil. Augustin. In Vergleichung mit den drei andernhat jedoch diese Anstalt stets nur eine untergeordnete Rolle gespielt,was ohne Zweifel daher kommt, weil die Augustiner sich nie daraufverstanden haben, ihrem Orden durch einen cigenthümlichen Charakter,oder durch besondere Bestimmungen Achtung zu erwerben. ZurErreichung hoher Achtung aber genügte ihnen die Ehre nicht, voneinem großen Bischöfe, einem Lehrer der abendländischen Kircheihren Ursprung herzulcitcn. Denn diese Ehre thciltcn sic mit unzäh-ligen Congregationen von Chorherren des heiligen Augustin.
Der heilige Augustin (354—430), dieses vollkommene Musterwahrer Büßer, dieser ruhmvolle Verfechter dcö Glaubens, dieseGeißel der Irrlehre, dieses glänzende Gestirn der Kirche wurde zuTagastc, einer kleinen Stadt Numidicns in Afrika, unweit Hippo,geboren. Er stammte aus einer nicht sehr reichen, aber rechtschaf-fenen Familie; sein Vater war ein Heide, und von sehr heftigerGemüthsart. Derselbe lernte inzwischen doch in der Schule der heiligenMonika, seiner christlichen Ehefrau, was die evangelische Sanftmut!)und Demuth ist, und empficng einige Zeit vor seinem Tode dieheilige Taufe.
Augustin folgte in seiner Jugend allen Begierden eines ver-derbten Herzens, wie wir aus den ersten Büchern seiner Bekennt-nisse ersehen, wo er uns selbst den Abgrund der Sünden und Arm-seligkeiten ausdeckt, in den er sich versenkt hatte.
Seine Mutter unterrichtete ihn in den Geheimnissen der Reli-gion und lehrte ihn beten; Patrieiuö, sein Vater, unterließ Nichts,um die herrlichen Anlagen, die er in seinem Sohne merkte, aus-zubildcn, und widmete ihn den Wissenschaften, in der Hoffnung,daß er sich hiedurch den Weg zu Ehren bahnen könne. Ter talent-
' Bergt. P. Karl vom heil. Aloys, Statistik u. s. w. S. 524