möglich, daß die meisten ihrer Statute» nur ein Auszug aus denSchriften des heil. Basilius waren; der einzige bcmerkcnöwerthePunkt ist der, daß sie für Eremiten, welche in von einander ge-trennten Zellen wohnten, bestimmt waren.
Allein nach dem im Jahre 1229 mit den Sarazenen geschlos-senen Frieden faßten die Karmeliten, die viele und schwere Verfol-gungen erdulden mußten, den Plan, daS heilige Land zu verlassen,und nach Europa ausznwandern, und hier ein Obdach zu suchen,in dem sie gefahrlos ihren frommen Hebungen obliegen konnten.Bon den Inseln Cypern und Sieilien, wo sie im Jahre 1238 lan-deten, kamen sie nach Frankreich nnd England. Ucberall empfingman sie mit offenen Armen, nnd cs erwies sich, daß es ihnen zumbessern Gedeihen nur an einem günstigeren Boden gefehlt hatte.Der heil. Ludwig räumte ihnen sofort im Jahre 1259 ein Klosterzu Paris ein, aus dem französische nnd deutsche Karmeliten her-vorgingen. Allein die Auswanderung der Karmeliten aus Asien nachEuropa hatte sie in ihrer Ordnung nnd Lebensweise zu großen Ver-änderungen gezwungen. Daher gab ihnen Jnnoccnz IV. im Jahre1247 eine Erklärung ihrer Regel, die ihrer neuen Lage angemesse-ner war. Ihr Eremitenleben gestaltete sich zu einem Cönobitenlcbcnum, und sic waren nun nicht mehr verbunden, ihre Klöster in Ein-öden zu erbauen; zu dem Gelübde des Gehorsams ward noch daöder Keuschheit, das sie bis jetzt noch nicht ausdrücklich abgelegt hat-ten, hinzugcfügt, nnd, obwohl man es für schicklich hielt, mehrereMilderungen in der Regel einzuführen, so bildete doch die Strengestets die Grundlage der Statuten.
Die Karmeliten hielten ihr erstes Gencralkapitcl im Jahre 1245in England, nnd von nun an verbreitete sich der Orden durch dieunermüdliche Thätigkeit seines Generals Simon Stock und durchden Schutz Jnnoeenz IV. mit einer überraschenden Schnelligkeit.
Unglücklicher Weise thcilte die Kirchenspaltung des 14tcu Jahr-hunderts auch ihn. Zu gleicher Zeit wurden nämlich zwei Generalevon den zwei Parteien, welche nicht auf den würdigsten sahen, sondernauf den, welcher mit dem lebhaftesten Interesse an der Person bestenhing, den sie als Papst anerkannten, gewählt. Jeder dieser Gene-rale diöpensirte oft seine Mönche von der dnrch die Regel vorge-